09.06.2020, 14:24 Uhr

Lissabon (AFP) Eurogruppen-Chef Centeno legt Amt nieder

Scholz mit klarer Vorstellung zu Nachfolge an Spitze der Euro-Minister

Eurogruppen-Chef Mario Centeno hat seinen Rückzug angekündigt. Er werde sein Amt zum 13. Juli niederlegen und kein zweites Mandat anstreben, erklärte Centeno am Dienstag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er hatte den Posten seit Dezember 2017 inne. Bereits zum 15. Juni werde er zudem als portugiesischer Finanzminister zurücktreten. Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa habe den Rücktritt akzeptiert, teilte das Präsidialamt mit.

In der Eurogruppe kommen monatlich die Finanzminister der 19 EU-Länder mit der Gemeinschaftswährung zusammen. Centeno will seinen Rücktritt als Eurogruppen-Chef nach eigenen Angaben offiziell am Donnerstag bei einer Video-Konferenz der Finanzminister der Währungsunion bekannt geben. Damit ist in den kommenden Wochen die Neuwahl eines Eurogruppen-Präsidenten nötig.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) würdigte Centenos Wirken. Er habe in den vergangenen Jahren und zuletzt auch im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise "eine ganz erfolgreiche Arbeit" geleistet, sagte er vor einer Video-Konferenz der EU-Finanzminister.

Zu möglichen Nachfolgern wollte er sich noch nicht äußern. Es sei jetzt nicht der Moment, um zu spekulieren, sagte Scholz. "Ich kann ihnen aber sagen, dass ich und die deutsche Regierung eine klare Vorstellung haben."

Centeno galt schon länger als amtsmüde, weshalb seit Wochen über mögliche Nachfolger spekuliert wird. Genannt wurden dabei die spanische Wirtschafts- und Finanzministerin Nadia Calviño, der Luxemburger Pierre Gramegna und der irische Minister Paschal Donohoe.

Hauptaufgabe ist eine enge Koordinierung der Wirtschaftspolitik. In der Finanz- und Schuldenkrise wurde die Eurogruppe zentrale Schaltstelle für die Ausarbeitung von Rettungsprogrammen für vom Staatsbankrott bedrohte Länder wie Griechenland.

Vor Centeno gab es zwei Präsidenten der Eurogruppe: von 2005 bis 2013 den Luxemburger Jean-Claude Juncker, der dann EU-Kommissionspräsident wurde, und von Januar 2013 bis Anfang 2018 den Niederländer Jeroen Dijsselbloem.


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