25.05.2020, 23:26 Uhr

Genf (AFP) WHO setzt klinische Tests mit Hydroxychloroquin wegen Sicherheitsbedenken aus

Studie: Mittel erhöht Sterblichkeitsrate bei Covid-19-Patienten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat klinische Tests des Malariamittels Hydroxychloroquin zur Behandlung der Coronavirus-Infektion wegen Sicherheitsbedenken ausgesetzt. Die Tests in mehreren Ländern seien "vorübergehend" eingestellt worden, während die Sicherheit des Medikaments überprüft werde, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag. Die Entscheidung sei nach der Veröffentlichung einer Studie gefallen, wonach eine Behandlung mit Hydroxychloroquin möglicherweise die Sterblichkeitsrate erhöht.

Ein Forschungsteam der Harvard Medical School in Boston und des Universitätsspitals Zürich hatte für die in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie die Daten von 96.000 Patienten in hunderten Krankenhäusern weltweit ausgewertet. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass Hydroxychloroquin und Chloroquin keinen Nutzen bei Covid-19-Patienten zeigen. Vielmehr wiesen die erhobenen Daten auf ein erhöhtes Sterberisiko hin. Die Mittel können demnach potenziell schwere Nebenwirkungen verursachen, vor allem Herzrhythmusstörungen.

Die beiden Medikamente seien aber allgemein "als sicher in der Anwendung bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen oder Malaria anerkannt", betonte Tedros. Die WHO hatte Hydroxychloroquin und Chloroquin ebenso wie andere Medikamente in einer Studie mit dem Namen "Solidarity" (Solidarität) getestet. Die anderen klinischen Tests von "Solidarity" würden fortgesetzt, sagte Tedros.

Hydroxychloroquin und der verwandte Wirkstoff Chloroquin werden seit langem als Mittel gegen Malaria-Infektionen eingesetzt. Ihre Wirksamkeit bei der Behandlung von Patienten mit der vom neuartigen Coronavirus ausgelösten Atemwegekrankheit Covid-19 ist bereits seit längerem umstritten.

US-Präsident Donald Trump hatte dennoch mitgeteilt, er nehme Hydroxychloroquin zur Vorbeugung gegen das Coronavirus ein. Am Sonntag sagte Trump dann jedoch in einem Interview, er habe die Einnahme des Mittels inzwischen beendet. Trotz seiner Einnahme von Hydroxychloroquin sei er "noch da", fügte der Präsident ironisch hinzu. Auch Brasiliens Regierung empfahl kürzlich Hydroxychloroquin und Chloroquin zur Behandlung von Covid-19.

Die WHO warnte am Montag zudem angesichts der Lockerung der Corona-Beschränkungen in vielen Ländern vor einem möglichen erneuten Anstieg der Infektionszahlen. Die Organisation appellierte an die Staaten, Abstandsregeln beizubehalten und die Testkapazitäten auszuweiten.

"Alle Länder müssen in höchster Alarmbereitschaft bleiben", sagte die WHO-Expertin Maria Van Kerkhove. Dies gelte auch für Länder, in denen die Fallzahlen zurückgehen. Studien zu Antikörpertests deuteten darauf hin, dass "ein großer Teil der Bevölkerung" weiterhin anfällig für das Virus sei. "Das Virus wird die Gelegenheit zu seiner erneuten Ausbreitung nutzen, wenn es kann", sagte Van Kerkhove.


0 Kommentare