25.05.2020, 20:22 Uhr

Genf (AFP) WHO setzt klinische Tests mit Hydroxychloroquin wegen Sicherheitsbedenken aus

Laut neuer Studie erhöht Mittel Sterblichkeitsrate bei Covid-19-Patienten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat klinische Tests des Malariamittels Hydroxychloroquin zur Behandlung von Covid-19 wegen Sicherheitsbedenken ausgesetzt. Die Tests in mehreren Ländern seien "vorübergehend" eingestellt worden, während die Sicherheit des Medikaments überprüft werde, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag. Die Entscheidung sei nach der Veröffentlichung einer Studie gefallen, wonach eine Behandlung mit Hydroxychloroquin möglicherweise die Sterblichkeitsrate erhöht. Die WHO warnte zudem vor einer erneuten Steigerung der Corona-Infektionszahlen und rief zu "höchster Alarmbereitschaft" auf.

Ein Forschungsteam der Harvard Medical School in Boston und des Universitätsspitals Zürich hatte für die in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie die Daten von 96.000 Patienten in hunderten Krankenhäusern weltweit ausgewertet. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Hydroxychloroquin und Chloroquin keinen Nutzen bei Covid-19-Patienten zeigen. Vielmehr wiesen die erhobenen Daten den Forschern zufolge auf ein erhöhtes Sterberisiko hin. Zudem erhöhten die Medikamente das Risiko für Herzrhythmusstörungen.

Die beiden Medikamente seien aber allgemein "als sicher in der Anwendung bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen oder Malaria anerkannt", betonte Tedros. Die WHO hatte Hydroxychloroquin gemeinsam mit weiteren Medikamenten in einer Studie mit dem Namen "Solidarity" (Solidarität) getestet. Die anderen klinischen Tests von "Solidarity" würden fortgesetzt, erklärte Tedros.

Hydroxychloroquin und der verwandte Wirkstoff Chloroquin werden seit langem als Mittel gegen Malaria-Infektionen eingesetzt. Ihre Wirksamkeit bei der Behandlung von Covid-19-Patienten ist bereits seit längerem umstritten. US-Präsident Donald Trump hatte dennoch erklärt, er nehme Hydroxychloroquin zur Vorbeugung gegen das neuartige Coronavirus ein. Auch Brasiliens Regierung empfahl kürzlich die beiden Wirkstoffe offiziell zur Behandlung selbst leichter und mittelschwerer Fälle der Lungenkrankheit.

Angesichts der Lockerung der Corona-Beschränkungen in vielen Ländern warnten die WHO-Experten am Montag zudem vor einer erneuten Steigerung der Infektionszahlen. Sie riefen die Länder dazu auf, Abstandsregeln beizubehalten und die Testkapazitäten auszuweiten.

"Alle Länder müssen in höchster Alarmbereitschaft bleiben", sagte die WHO-Expertin Maria Van Kerkhove. Dies gelte auch für Länder, in denen die Fallzahlen zurückgehen. Studien zu Antikörpertests deuteten darauf hin, dass "ein großer Teil der Bevölkerung" weiterhin anfällig für das Virus sei. "Das Virus wird die Gelegenheit, sich wieder auszubreiten nutzen, wenn es kann", sagte Van Kerkhove.

Ihr Kollege Michael Ryan warnte vor der Annahme, dass die Infektionszahlen jahreszeitenbedingt zurückgehen. Der Grund für die sinkenden Zahlen seien vielmehr die verhängten drastischen Maßnahmen. Zu glauben, dass die nächste Welle "irgendwann im Oktober oder November" drohe, sei "eine gefährliche Annahme", sagte Ryan.


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