25.05.2020, 20:59 Uhr

London (AFP) Cummings: Ich habe "legal und vernünftig" gehandelt

Chefberater von Boris Johnson weist Rücktrittsforderungen zurück

Der wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die Corona-Auflagen unter Druck geratene britische Regierungsberater Dominic Cummings hat Rücktrittsforderungen zurückgewiesen. Er habe "legal und vernünftig" gehandelt, sagte der wichtigste Berater von Premierminister Boris Johnson am Montag vor Journalisten. "Ich bedauere nicht, was ich getan habe." Es sei eine sehr schwierige Situation gewesen.

"Ich habe meinen Rücktritt nicht angeboten. Nein, ich habe nicht über einen Rücktritt nachgedacht", sagte der offensichtlich nervöse Cummings. Laut britischen Medienberichten hatte er trotz Anzeichen einer Corona-Infektion Ende März seine Londoner Wohnung verlassen und war zu seinen Eltern ins mehr als 400 Kilometer entfernte Durham im Nordosten Englands gefahren - offenbar um seinen kleinen Sohn zu den Großeltern zu bringen. Später soll er noch weitere Male gegen die Ausgangssperre verstoßen haben.

Die mutmaßlichen Verstöße stehen im krassen Gegensatz zur Politik Johnsons, der seit einer eigenen Covid-19-Erkrankung vehement auf die Einhaltung der Corona-Ausgangsbeschränkungen pocht. Laut den britischen Corona-Verhaltensregeln muss sich jeder, der Symptome einer Corona-Infektion hat, in seiner eigenen Wohnung in Quarantäne begeben.

Cummings entschuldigte sich auf der Pressekonferenz nicht für sein Verhalten. Er äußerte aber sein Bedauern, dass er Johnson nicht um Erlaubnis für die Reise gebeten habe. "Das war ein Fehler."

Johnson hatte sich bereits am Sonntag hinter seinen umstrittenen Chefberater gestellt. Auf einer Pressekonferenz am Montag äußerte er sich erneut zu der Affäre und war bemüht, einen Schlussstrich darunter zu ziehen. "Ich kann verstehen, warum Leute (Cummings) Rücktritt fordern könnten", sagte er. "Aber ich denke, die Menschen werden sich nach dem, was Cummings gesagt hat, selbst eine Meinung bilden."

Nachdem Cummings mutmaßliche verstöße bekannt wurden, hatten auch Abgeordnete aus Johnsons Tory-Partei dessen Rücktritt gefordert. Die Website ConservativeHome veröffentlichte eine Liste von Tory-Abgeordneten, die öffentlich die Entlassung des Top-Beraters fordern. Bis Montag hatten sich der Forderung 20 Konservative angeschlossen.

Cummings ist eine äußerst umstrittene Figur in der britischen Politik. Der unorthodoxe Politikberater gilt als Architekt der Brexit-Kampagne im Jahr 2016 und als wichtigster und einflussreichster Berater von Johnson.

In der britischen Politik gab es bisher zwei Rücktritte wegen Verstößen gegen die Corona-Maßnahmen: Ein einflussreicher wissenschaftlicher Berater der Regierung musste zurücktreten, weil er Besuch von seiner Geliebten hatte. Die Chefin der schottischen Gesundheitsdienste musste gehen, weil sie zweimal in ihre Ferienwohnung gefahren war.


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