15.05.2020, 12:38 Uhr

London (AFP) Mehr als 12.500 Heimbewohner in Großbritannien an Covid-19 gestorben

Die nationale Statistikbehörde verzeichnet eine hohe Übersterblichkeit in britischen Pflegeheimen.
Quelle: POOL/AFP/Archiv/Leon Neal (Foto: POOL/AFP/Archiv/Leon Neal)Die nationale Statistikbehörde verzeichnet eine hohe Übersterblichkeit in britischen Pflegeheimen. Quelle: POOL/AFP/Archiv/Leon Neal (Foto: POOL/AFP/Archiv/Leon Neal)

Statistikbehörde geht von hoher Dunkelziffer aus

In Großbritannien sind binnen zwei Monaten tausende Bewohner von Pflegeheimen an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Insgesamt seien im März und April in den Regionen England und Wales 12.526 Heimbewohner an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, teilte die nationale Statistikbehörde ONS am Freitag in London mit. Medienberichten zufolge befasst sich die Gleichstellungskommission mit Vorwürfen, wonach Kliniken erkrankte Heimbewohner vorzeitig entließen.

Nach Angaben der Statistikbehörde starben zwei Drittel der Heimbewohner in ihrer Pflegeeinrichtung, ein weiteres Drittel starb im Krankenhaus. Angesichts der Übersterblichkeit gehen die Statistiker jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. Demnach starben in den ersten vier Monaten dieses Jahres mehr als 23.000 mehr Menschen in Pflegeheimen als im Vorjahreszeitraum.

Premierminister Boris Johnson hatte diese Woche im Parlament eingeräumt, dass die Zahl der Todesopfer durch Covid-19 in Pflegeeinrichtungen "zu hoch" sei. Vorwürfe, wonach seine Regierung Pflegeeinrichtungen zu spät mit wichtiger Schutzbekleidung ausgestattet habe, wies er zurück: Seine Regierung werde weitere 600 Millionen Pfund (680 Millionen Euro) zur Unterstützung der Pflegeeinrichtungen freigeben, kündigte Johnson an.

Johnsons Regierung war zuvor heftig kritisiert worden, weil sie in ihren Corona-Statistiken die Todesfallzahlen aus Pflegeheimen zunächst nicht berücksichtigt hatte. Pflegeeinrichtungen monierten zudem, dass Krankenhäuser an Covid-19 erkrankte Pflegeheimbewohner vorzeitig entlassen hätten. Wie die Zeitung "Daily Telegraph" am Freitag berichtete, geht die Gleichstellungs- und Menschenrechtskommission der Regierung diesen Vorwürfen derzeit nach.

Gemessen an der Todesfallrate ist Großbritannien inzwischen weltweit das am zweitstärksten von der Corona-Pandemie betroffene Land nach den USA. Nach ONS-Angaben starben bis zum 1. Mai insgesamt mehr als 36.000 Menschen durch das neuartige Coronavirus, die meisten von ihnen in England und Wales. Das Gesundheitsministerium gibt die Zahl der Todesfälle durch das Coronavirus mit 33.614 an.

Experten zufolge kann das tatsächliche Ausmaß der Pandemie wohl erst in einigen Monaten erfasst werden. Die Statistikbehörde verwies auch auf die landesweit hohe Übersterblichkeit, die darauf hindeuten könnte, dass die tatsächliche Zahl der Corona-Toten in Großbritannien bereits bei fast 50.000 liegen könnte.


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