14.05.2020, 11:44 Uhr

Washington (AFP) Trump plädiert für Öffnung von Schulen und stellt sich gegen Corona-Chefberater

Donald Trump (l.) und Anthony Fauci.
Quelle: AFP/Archiv/MANDEL NGAN (Foto: AFP/Archiv/MANDEL NGAN)Donald Trump (l.) und Anthony Fauci. Quelle: AFP/Archiv/MANDEL NGAN (Foto: AFP/Archiv/MANDEL NGAN)

Von Trump angepriesener Corona-Schnelltest möglicherweise stark fehleranfällig

US-Präsident Donald Trump hat ein rasches Ende der Schulschließungen in den Vereinigten Staaten gefordert und sich damit explizit gegen Empfehlungen seines Chefberaters in der Corona-Krise gestellt. "Wir öffnen unser Land, die Menschen wollen es offen, die Schulen werden geöffnet sein", sagte der Präsident am Mittwoch zu Reportern im Weißen Haus. Der Seuchenexperte Anthony Fauci hatte am Vortag in einer Senatsanhörung vor einer vorschnellen Lockerung der Corona-Restriktionen und auch einer baldigen Öffnung der Schulen und Universitäten gewarnt.

Trump nannte die Warnungen des international anerkannten Epidemiologen "inakzeptabel". Laut Vorabauszügen eines Interviews mit dem Sender Fox Business Network sagte der Präsident, er sei hinsichtlich der Schulen "total anderer Meinung" als Fauci.

"Anthony ist ein guter Mensch, ein sehr guter Mensch. Ich war in der Vergangenheit nicht einer Meinung mit ihm", sagte Trump in dem Interview. Er denke aber, dass die Schulen geöffnet werden müssten. "Wir müssen unser Land öffnen, wir wollen das auf sicherem Weg tun, aber wir wollen es auch so schnell wie möglich tun. Wir können so nicht weiter machen, auf den Straßen herrscht schon Chaos."

Die wachsenden Gräben zwischen dem Präsidenten und seinem Berater waren bereits während der Videoanhörung durch Senatoren am Dienstag deutlich geworden. Fauci warnte dabei vor "wirklich schwerwiegenden" Konsequenzen einer zu schnellen Lockerung der Corona-Maßnahmen. Es gebe das "reale Risiko" einer neuen Infektionswelle, die sich nicht kontrollieren lasse.

Trump dringt hingegen fortwährend auf eine Lockerung. Die Entscheidung darüber liegt weitgehend nicht in seiner Zuständigkeit, sondern in jener der einzelnen Bundesstaaten und Verwaltungsbezirke. Der Präsident wartet nicht zuletzt ungeduldig darauf, dass die US-Wirtschaft wieder voll hochfährt. Viele US-Unternehmen stehen wegen der Corona-Beschränkungen vor der Pleite, Millionen US-Bürger sind arbeitslos geworden.

Fauci warnte derweil, eine zu frühe Lockerung der Maßnahmen könnte die Ausbreitung des hochansteckenden Virus vorantreiben. Dies "könnte die Bemühungen zum Wiederhochfahren der Wirtschaft noch weiter zurückwerfen".

Trump hat nicht zuletzt die Wahl im November im Blick, bei der er um eine zweite Amtszeit kämpft. Er verspricht, das Land zurück in eine gute wirtschaftliche Lage zu steuern. Sein demokratischer Gegenspieler Joe Biden wirft ihm dagegen vor, die Pandemie falsch zu handhaben und die Folgen damit zu verschlimmern.

Die USA sind mit rund 84.000 verzeichneten Todesopfern und 1,39 Millionen bestätigten Infektionsfällen das mit Abstand am stärksten von der Pandemie betroffene Land der Welt.

Nach Ansicht eines nach eigenen Angaben wegen Kritik an der Corona-Politik der Regierung geschassten Spitzenbeamten waren die USA nicht ausreichend auf die Pandemie vorbereitet. "Wir haben frühe Warnzeichen übersehen", heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Aussage von Rick Bright vor dem US-Senat. Wenn die USA jetzt nicht endlich landesweit koordiniert gegen die Corona-Pandemie vorgingen, drohe dem Land der "schwärzeste Winter" seit Jahrzehnten.

Der Beamte hatte im vergangenen Monat seinen Posten als Chef der Behörde für biomedizinische Forschung und Entwicklung (Barda) verloren - nach eigenen Angaben, weil er sich gegen Trumps Corona-Pläne stellte. Er sei als Chef abgelöst und auf einen untergeordneten Posten versetzt worden, weil er sich gegen den Einsatz von Mitteln gestellt habe, deren Nutzen nicht bewiesen sei, deren Anwendung Trump aber immer wieder propagiert habe.

Laut einer am Mittwoch bekannt gewordenen Studie des Forschungszentrums NYU Lagone Health in New York hat auch ein von Trump angepriesener Corona-Schnelltest eine möglicherweise sehr hohe Fehlerquote. Trump hat den Test des US-Pharmakonzerns Abbott Laboratories wiederholt gerühmt. Der Test wird auch im Weißen Haus selber angewendet. Der Hersteller wies die Angaben über eine hohe Fehlerquote zurück.


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