12.05.2020, 17:51 Uhr

Washington (AFP) Fauci warnt ungeachtet des Drängens von Trump vor überhasteter Lockdown-Lockerung


Präsident besteht auf schneller Öffnung des Landes

In den USA zeigt sich in der Corona-Krise ein tiefer werdender Graben zwischen Präsident Donald Trump und seinem Corona-Chefberater Anthony Fauci. Während Trump weiter auf eine schnelle Lockerung der wegen der Pandemie erlassenen Beschränkungen drängte, warnte Fauci am Dienstag vor den "wirklich schwerwiegenden" Konsequenzen eines zu schnellen Vorgehens. Zugleich zeigte er sich "vorsichtig optimistisch" beim Stand der Impfstoff-Entwicklung.

"Die Menschen wollen, dass unser Land offen ist", sagte Trump am Montag im Weißen Haus. Die USA hätten "enorme Fortschritte" bei der Ausweitung der Tests gemacht, der Anstieg der Neuinfektionen habe sich stark verlangsamt. Es sei essenziell, das Land wieder zu öffnen. Trump hofft, durch eine schnelle Lockerung der Beschränkungen die US-Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen - und so seine Chancen bei der Präsidentschaftswahl im November zu erhöhen.

Allerdings warnte der wichtigste Corona-Berater von Trump vor einem zu schnellen Vorgehen: Bei einer Anhörung im Senat in Washington sagte Fauci am Dienstag, es seien Richtlinien entwickelt worden, wann und wie die Beschränkungen gelockert werden könnten. Eine der wichtigsten Voraussetzungen sei, dass über zwei Wochen hinweg die Zahl der Neu-Infektionen deutlich sinke. "Wenn eine Gemeinde oder ein Bundesstaat oder eine Region nicht entsprechend der Richtlinien handelt, könnten die Konsequenzen wirklich schwerwiegend sein."

Die USA sind mit mehr als 80.000 Todesfällen und 1,3 Millionen Infizierten das mit Abstand am stärksten von der Pandemie betroffene Land der Welt. Die wirkliche Zahl liege wahrscheinlich höher, gestand Fauci bei der Video-Anhörung im US-Senat ein. Dies liege unter anderem daran, dass viele Menschen vor allem im besonders hart getroffenen New York gestorben seien, bevor sie ins Krankenhaus gebracht werden konnten.

Der Virologe zeigte sich zudem "vorsichtig optimistisch" hinsichtlich der Aussichten auf einen Impfstoff. Derzeit würden acht potenzielle Impfstoffe klinisch getestet. "Wir haben mehrere Kandidaten und hoffen, mehrere Gewinner zu haben", sagte Fauci. "Mit anderen Worten: Es wird aus mehreren Richtungen aufs Ziel geschossen."

Fauci befindet sich derzeit in selbst auferlegter häuslicher Quarantäne, weil er Kontakt zu einem Corona-infizierten Regierungsmitarbeiter hatte. Um den Umgang mit Corona-Fällen im Weißen Haus wird seit einigen Tagen gestritten. Trump kündigte nun an, als Schutzmaßnahme seine Kontakte zu Vizepräsident Mike Pence möglicherweise zu reduzieren.

Im Weißen Haus waren in der vergangenen Woche binnen zwei Tagen zwei Corona-Fälle bestätigt worden. Unter anderem wurde Pences Sprecherin Katie Miller, positiv auf das Coronavirus getestet. Der Vizepräsident selbst sei aber negativ auf den Erreger getestet worden, sagte Trump.

Allerdings komme der Vizepräsident "mit vielen Menschen in Kontakt", fügte der Präsident hinzu. Deshalb werde er mit Pence über eine mögliche Einschränkung ihrer Kontakte reden. Für die Mitarbeiter des Weißen Hauses wurde am Montag eine Maskenpflicht verhängt, die Trump selbst nicht befolgte.

Ein Pence-Sprecher hatte am Sonntag mitgeteilt, dass sich der Vizepräsident nicht in Quarantäne begeben habe. Die Äußerungen Trumps am Tag danach deuteten jedoch darauf hin, dass sich Pence möglicherweise doch in häuslicher Isolation befinden könnte. Er habe Pence seit der "Quarantäne-Periode" nicht mehr gesehen, sagte der Präsident.

Trump lieferte sich zudem vor dem Hintergrund der Corona-Krise am Montag erneut eine Auseinandersetzung mit einer Medienvertreterin. Nach einem Wortgefecht mit der chinesischstämmigen Reporterin Weijia Jiang vom Fernsehsender CBS News brach er eine Pressekonferenz abrupt ab.

Jiang hatte Trump gefragt, warum er die Kapazitäten bei den US-Virustests mit anderen Ländern vergleiche, als ob es sich um einen Wettbewerb handele und wo es doch eigentlich um internationale Zusammenarbeit gehe. Dies sei vielleicht "eine Frage, die Sie China stellen sollten", erwiderte der Präsident.


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