11.05.2020, 14:06 Uhr

Berlin (AFP) Merkel ruft Bürger zu anhaltender Vorsicht gegenüber Coronavirus auf

Kanzlerin Merkel.
Quelle: AFP/Archiv/Kay Nietfeld (Foto: AFP/Archiv/Kay Nietfeld)Kanzlerin Merkel. Quelle: AFP/Archiv/Kay Nietfeld (Foto: AFP/Archiv/Kay Nietfeld)

Spahn verweist auf steigende Infektionszahlen

Nach dem Inkrafttreten weiterer Lockerungen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Bürger zu anhaltender Vorsicht gegenüber dem Coronavirus aufgerufen. Auch wenn die Corona-Politik nun in eine "neue Phase" eingetreten sei, müssten sich die Menschen weiter "an die Grundgebote halten" - nämlich an das Abstandhalten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, sagte Merkel am Montag in Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wies warnend auf steigende Infektionszahlen hin.

Merkel informierte sich am Montag in einer Videokonferenz mit Mitarbeitern des Gesundheitsamts Harz in Wernigerode über die Arbeit der Behörden vor Ort. Den Gesundheitsämtern komme eine "zentrale Rolle" im Kampf gegen die Pandemie zu - etwa bei der Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten. Dafür wolle sie sich "bei allen Gesundheitsämtern der Bundesrepublik" bedanken.

An der Videoschalte nahm auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff teil. Auch Haseloff bat die Bürger "um größtmögliche Umsicht, um strenge Beachtung von Hygiene- und Abstandsregeln und vor allem um Geduld". Das Virus sei noch nicht besiegt, erklärte er.

Die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland hatte sich zuletzt möglicherweise wieder beschleunigt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab in seinem Bericht für Sonntag die sogenannte Reproduktionszahl mit einem Wert über der kritischen Marke eins an. Bereits am Samstag hatte die Schätzung bei über eins gelegen. Das RKI schätzte die jüngste Reproduktionszahl auf 1,13; am Samstag hatte sie 1,10 betragen.

Die Reproduktionszahl gibt an, wieviele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung im Schnitt mit dem Erreger ansteckt. Das Institut erläuterte jedoch, aufgrund statistischer Schwankungen, die durch die insgesamt gesunkenen Zahlen verstärkt würden, lasse sich noch nicht bewerten, "ob sich der während der letzten Wochen sinkende Trend der Neuinfektionen weiter fortsetzt oder es zu einem Wiederanstieg der Fallzahlen kommt".

Angesichts der Entwicklung forderte Gesundheitsminister Spahn ein konsequentes Vorgehen der Behörden in den betroffenen Landkreisen. "Wir brauchen auch das beherzte und umfassende Vorgehen vor Ort", sagte Spahn Sonntagabend im ZDF-"heute journal". Nur wenn dies zügig und konsequent gelinge, werde verhindert, dass es auch bundesweit "ganz andere Entwicklungen" gebe.

Spahn sagte, alle Infektionsausbrüche müssten sofort nachvollzogen werden. Dies müsse allen bewusst sein, ob in den Kommunen, in den Ländern oder beim Bund.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Anton Hofreiter, sagte der "Passauer Neuen Presse" vom Montag, es sei nun eine "kritische Phase" erreicht. Er fürchte, dass viele Menschen wieder sorgloser werden. "Das liegt sicher auch am unklarer gewordenen Krisenmanagement von Bund und Ländern", kritisierte Hofreiter.

Linken-Chef Bernd Riexinger übte generelle Kritik an der Öffnungspolitik von Bund und Ländern. Manche Lockerungen seien "zu schnell und zu früh" erfolgt, sagte er in Berlin. Manche der Maßnahmen kämen ihm "unlogisch" vor - etwa, dass Hessen nun Versammlungen von hundert Menschen erlaube und Massage- sowie Tätowiersalons öffne, während gleichzeitig viele Kitas noch nicht offen seien. "Vorsicht ist hier die bessere Empfehlung", mahnte Riexinger.


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