28.04.2020, 09:48 Uhr

Berlin (AFP) Robert-Koch-Institut warnt vor übermäßiger Konzentration auf Reproduktionszahl

RKI-Chef Lothar Wieler.
Quelle: POOL/AFP/CHRISTIAN MANG (Foto: POOL/AFP/CHRISTIAN MANG)RKI-Chef Lothar Wieler. Quelle: POOL/AFP/CHRISTIAN MANG (Foto: POOL/AFP/CHRISTIAN MANG)

Fokussierung auf einen Wert "nicht hilfreich" - Auch andere Daten wichtig

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat davor gewarnt, sich bei der Beurteilung der Dynamik der Corona-Pandemie allein auf die Reproduktionszahl zu konzentrieren. Sie sei ein "wichtiger Faktor", aber "nur eine Messzahl unter vielen", betonte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag in Berlin. Es sei "nicht hilfreich, wenn auch in der Öffentlichkeit immer nur auf einen Faktor bezogen wird". Wichtig seien etwa auch die Neuinfektionen.

Wieler wies ferner darauf hin, dass die vom RKI täglich berechnete Reproduktionszahl nur ein Durchschnittswert für ganz Deutschland sei, hinter dem regional sehr unterschiedliche Werte steckten. Es gebe Gegenden, in denen diese weit höher sei. Die Zahl bewege sich zudem in einem Schwankungsbereich. Zur Abschätzung der Lage sei sie allein nicht geeignet und dürfe daher auch "nicht aus dem Kontext" genommen werden. Das sei "ganz wichtig zu verstehen".

Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter während seiner Erkrankung mit einem Erreger ansteckt. Sie stieg in Deutschland nach den neuesten Daten inzwischen wieder auf knapp 1,0, nachdem sie zwischendurch auf rund 0,8 abgesunken war. Bei einem Wert von eins oder niedriger breitet sich eine Infektion in der Bevölkerung zahlenmäßig nicht weiter aus. Sie wird in den Debatten über mögliche Lockerungen der Corona-Beschränkungen oft angeführt.

Der RKI-Präsident rief erneut dazu auf, die Regeln zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus wie regelmäßiges Händewaschen und das Einhalten von Mindestabständen zu befolgen. Menschen sollten auch - wann immer möglich - weiterhin ihre Kontakte einschränken.

Deutschland habe "frühzeitig" Maßnahmen ergriffen und bisher damit Erfolg gehabt, sagte Wieler. Nun gelte es, diese Erfolge trotz der damit verbundenen Belastungen gemeinsam "zu verteidigen". Die Lage könne sich wieder verschlechtern, die Fallzahlen erneut ansteigen. "Wir wollen nicht, dass das Gesundheitssystem überfordert wird."

In Deutschland infizierten sich nach aktuellen Meldedaten bisher rund 156.400 Menschen, 5913 starben nach einer Corona-Ansteckung. Im Vergleich zum Vortag stieg die Zahl der Neuinfektionen um 1144 an. Der Wert lag in der Vorwoche im Schnitt um rund 2000, in der Spitze betrug die Zahl der täglichen Neuansteckungen im März auch teils um 5000. Die Zahl der Todesfälle steigt derzeit laut RKI um etwa hundert bis 300 pro Tag an, von Montag auf Dienstag waren es 163.


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