27.04.2020, 14:12 Uhr

Berlin (AFP) Heil erntet für Vorstoß zu Homeoffice Widerspruch aus der Union

Heimarbeitsplatz.
Quelle: AFP/Sergei SUPINSKY (Foto: AFP/Sergei SUPINSKY)Heimarbeitsplatz. Quelle: AFP/Sergei SUPINSKY (Foto: AFP/Sergei SUPINSKY)

SPD verteidigt Vorstoß gegen Kritik auch von Arbeitgebern

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) erntet für sein Vorhaben eines Rechtsanspruchs auf Heimarbeit scharfen Widerspruch aus der Union. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt wies den Vorstoß nach Teilnehmerangaben in einer Videoschalte des CSU-Parteivorstands am Montag zurück. Heil sei "ja schon mehrfach mit nicht durchdachten Vorschlägen verhaltensauffällig gewesen", sagte er demnach. Die SPD verteidigte den Vorstoß ihres Ministers.

"Ein Recht zu schaffen, dass jeder immer dann, wenn er will, ins Homeoffice gehen kann, ist ein tiefer Eingriff in die Arbeitsabläufe der Unternehmen", sagte Dobrindt weiter, wie AFP von Teilnehmern der Besprechung erfuhr. "Das Recht auf Homeoffice stößt deswegen bei uns auf Ablehnung."

Prinzipiell habe er nichts dagegen, "dass Menschen im Homeoffice arbeiten, das tun wir derzeit ja alle", sagte Dobrindt demnach. "Aber es muss eine Entscheidung der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer sein, ob im Homeoffice gearbeitet wird." Ein Rechtsanspruch sei nicht der richtige Weg.

Heil will innerhalb der kommenden sechs Monate seinen Gesetzentwurf vorlegen, wie er am Sonntag angekündigt hatte. Wo es betrieblich möglich sei, soll künftig jeder Arbeitnehmer das Arbeiten von Zuhause aus einfordern können. Zuvor hatte bereits Unionsfraktionsvize Hermann Gröhe (CDU) Heils Vorschlag zurückgewiesen.

In der Corona-Krise ist die Zahl der Arbeitnehmer im Homeoffice ersten Schätzungen zufolge von zwölf auf 25 Prozent aller Beschäftigten gestiegen. Das wären acht Millionen Männer und Frauen.

"Die Corona-Krise zeigt uns gerade jetzt, was alles im Homeoffice möglich ist", verteidigte die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Katja Mast den geplanten Rechtsanspruch. "Wir sollten diesen Innovationsschub über die Corona-Pandemie hinaus nutzen und nicht in alten Reflexen verharren", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP.

Viele Firmen gingen dieser Tage neue Wege zu Gunsten des Unternehmens und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, fügte Mast hinzu. "Jetzt ist die Zeit, dringend notwendige Entscheidungen über die Arbeit der Zukunft zu treffen."

Der SPD-Abgeordnete Martin Rosemann erklärte, Homeoffice funktioniere am besten dort, "wo es klare Regeln gibt". Ein Rechtsanspruch solle dazu führen, dass in den Betrieben Konzepte für mobiles Arbeiten entwickelt werden – und zwar von Arbeitgebern und Beschäftigten gemeinsam. "Da haben wir in Deutschland großen Nachholbedarf." Auch eine Sprecherin Heils sagte, Homeoffice müsse geregelt werden, um Selbstausbeutung und ähnliche Dinge zu vermeiden.

Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, hatte Heils Vorhaben als "politischen Ladenhüter" kritisiert. Es sei zwar im Interesse von Arbeitgebern und Beschäftigten, mobiles Arbeiten dort einzusetzen, wo es möglich und sinnvoll sei. Mit Homeoffice allein könne die Wirtschaft aber nicht am Laufen gehalten werden.


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