24.04.2020, 11:34 Uhr

Leipzig (AFP) Zahl landlebender Insekten binnen 30 Jahren um fast ein Viertel gesunken

Tagpfauenauge.
Quelle: AFP/Archiv/Armend NIMANI (Foto: AFP/Archiv/Armend NIMANI)Tagpfauenauge. Quelle: AFP/Archiv/Armend NIMANI (Foto: AFP/Archiv/Armend NIMANI)

Bestände bei Süßwasserinsekten wie Libellen erholen sich dagegen

Die Zahl landlebender Insekten ist binnen 30 Jahren um fast ein Viertel zurückgegangen. Das bestätigte eine umfassende Analyse weltweiter Langzeitstudien, wie das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig mitteilte. Einen positiven Trend gibt es dagegen bei den Süßwasserinsekten, deren Bestände sich erholen.

Ein internationales Forscherteam stellte Daten aus insgesamt 166 Langzeitstudien an weltweit 1676 Orten zusammen, um Veränderungen der Insektenzahlen zu untersuchen. Diese Daten wurden zwischen 1925 und 2018 erhoben. Sie zeigen große örtliche Unterschiede. So gab es in Ländern mit vielen Langzeitstudien wie Deutschland, Großbritannien oder den USA sowohl Orte mit Rückgängen als auch Orte mit wenig Veränderungen oder sogar Zunahmen.

Im weltweiten Durchschnitt sank die Zahl der landlebenden Insekten wie Schmetterlinge, Heuschrecken oder Ameisen um 0,92 Prozent pro Jahr, was einem Rückgang von 24 Prozent über 30 Jahre entspricht.

Den Forschern zufolge geht es nicht nur um die augenfälligen, die fliegenden Insekten. Die meisten Insekten leben im Verborgenen – etwa im Boden oder in Baumwipfeln. Es zeigte sich, dass heute weniger Insekten in Bodennähe leben als früher – ähnlich wie in der Luft. Im Gegensatz dazu blieb die Zahl der Insekten, die in Bäumen leben, im Schnitt unverändert.

Bei den Süßwasserinsekten gibt es hingegen eine Erholung. Die Zahl der Insekten, die ihr Leben zeitweise im Wasser verbringen wie Libellen, Wasserläufer und Köcherfliegen, stieg im Durchschnitt um 1,08 Prozent pro Jahr. Das entspricht einem Zuwachs 38 Prozent über einen Zeitraum von 30 Jahren. Den Forschern zufolge ist das auch ein Effekt zunehmend sauberer Seen und Flüsse.

Ann Swengel, Koautorin der Studie, spricht von sehr komplexen Trends. Sie erforscht seit 34 Jahren die Schmetterlingspopulationen an hunderten Orten in den USA. Dort gebe es starke Rückgänge selbst an vielen geschützten Orten, aber auch Standorte, an denen es Schmetterlingen gut gehe. "Es braucht Jahre und viele Daten, um sowohl die Erfolge als auch die Misserfolge zu verstehen, Art für Art und Ort für Ort."


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