24.04.2020, 10:32 Uhr

Berlin (AFP) Robert-Koch-Institut empfiehlt generelle Testung von Atemwegsinfektionen

RKI-Vizepräsident Lars Schaade.
Quelle: POOL/AFP/Bernd von Jutrczenka (Foto: POOL/AFP/Bernd von Jutrczenka)RKI-Vizepräsident Lars Schaade. Quelle: POOL/AFP/Bernd von Jutrczenka (Foto: POOL/AFP/Bernd von Jutrczenka)

RKI-Vize Schaade: "Kein Erdrutsch an weiteren Lockerungen"

Zur Eindämmung der Corona-Infektionen empfiehlt das Robert-Koch-Institut (RKI) die generelle Testung von Atemwegserkrankungen. Die Tests seien nicht mehr an die Bedingung geknüpft, dass es ausreichend Testkapazitäten gebe, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Freitag in Berlin. Zum einen gebe es mehr Testmöglichkeiten, zum anderen sei die Erkältungssaison vorbei, und es seien "mehr Treffer" zu Covid-19-Erkrankungen zu erwarten.

Nicht zuletzt sei es nach der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen "besonders wichtig", Corona-Erkrankungen schon bei schwachen Symptomen zu erkennen, betonte Schaade. "Wir empfehlen dringend, dass jeder mit einem Atemwegsinfekt, ob Husten oder Fieber, auch getestet werden sollte."

Zugleich warnte der RKI-Experte angesichts der Lockerung der Kontaktbeschränkungen vor Nachlässigkeit. Dass Deutschland bislang vergleichsweise gut durch die Epidemie gekommen sei, sei den frühen und strengen Maßnahmen zu verdanken.

Schaade verwies darauf, dass innerhalb weniger Wochen rund 5300 Menschen an der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 gestorben seien, "und es werden leider auch noch mehr Menschen sterben". Es dürfe jetzt "keinen Erdrutsch an weiteren Lockerungen" geben, sagte Schaade.

Wenn es wieder zu mehr Kontakten komme, werde es auch mehr Ansteckungen geben. "Im schlimmsten Fall sind wir dann schnell an einem Punkt angelangt, an dem die Epidemie nicht mehr beherrschbar ist", warnte Schaade.

Angesichts der schrittweisen Schulöffnungen schließt das RKI mögliche Infektionen nicht aus, deren Risiko aber durch verschiedene Maßnahmen minimiert werden könne. Es sei wichtig, auf einen Ausbruch in einer Schule sehr schnell zu reagieren, um das Virus nicht weiter in die Bevölkerung zu tragen. Wenn dies "regelhaft und häufig" passiere, müsse überlegt werden, "die Maßnahmen wieder anzuziehen", sagte Schaade.

Die Frage, ob die Ausbreitung des Coronavirus mit der Sommersaison ähnlich wie bei der Grippe gestoppt werden könnte, lässt sich dem RKI zufolge nach wie vor nicht beantworten. Es gebe noch keine Zahlen dazu, ob der Sommer einen Unterschied mache und ob das Virus womöglich in warmer Luft und durch Sonnenstrahlen inaktiviert werde, sagte Schaade.

Zuvor hatte ein US-Regierungsberater berichtet, dass UV-Strahlen anscheinend den Erreger töten könnten. Er berief sich dabei auf ein Experiment von Wissenschaftlern der US-Regierung.


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