24.04.2020, 08:31 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) IG Metall fordert stärkere Unterstützung für berufstätige Eltern

Schulkind am heimischen Esstisch.
Quelle: AFP/Christof STACHE (Foto: AFP/Christof STACHE)Schulkind am heimischen Esstisch. Quelle: AFP/Christof STACHE (Foto: AFP/Christof STACHE)

Umfrage: Jedes sechste Kind von arbeitenden Eltern bleibt sich allein überlassen

Die IG Metall hat davor gewarnt, dass fehlende Kinderbetreuung den Hochlauf der Produktion in Unternehmen gefährdet. "Zahlreiche Eltern berichten uns verzweifelt, dass sie nicht zurück an ihren Arbeitsplatz können, weil sie nicht wissen, wie sie die Betreuung ihrer Kinder sicherstellen", beklagte IG-Metall-Vizechefin Christiane Benner am Freitag in Frankfurt am Main. Für viele Eltern führe dies zu einer "Zerreißprobe".

Benner forderte Bund und Länder deshalb auf, den Schutz des Kindeswohls, die Interessen von berufstätigen Eltern und den Infektionsschutz in ein "gutes Gleichgewicht" zu bringen. Gefragt seien hierbei "kreative Lösungen zur Entlastung berufstätiger Eltern".

Die IG Metall appellierte an die Arbeitgeber, die Beschäftigten durch flexible Arbeitszeitmodelle zu unterstützen und finanzielle Sorgen durch Aufstockung des Kurzarbeitergeldes abzumildern.

Darüber hinaus müsse die finanzielle Unterstützung betroffener Eltern aus dem Infektionsschutzgesetz ausgeweitet werden. "Diese Lohnersatzleistung muss wie das Kurzarbeitergeld dringend aufgestockt und verlängert werden", forderte Benner. "Kinderbetreuung und voll arbeiten im Homeoffice funktioniert nicht - insbesondere mit kleinen Kindern."

Das Gesetz ermöglicht Eltern unter bestimmten Umständen eine Entschädigung, wenn sie aufgrund behördlich geschlossener Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen nicht arbeiten können. Aktuell beträgt die Entschädigung 67 Prozent des Nettoeinkommens, höchstens aber 2016 Euro. Beschäftigte, die im Homeoffice arbeiten können, sind davon ausgenommen.

In der aktuellen Situation drohten zudem überholte Geschlechterverhältnisse zurückzukehren, warnte die IG Metall. "Wir müssen verhindern, dass berufstätige Mütter die Hauptlast der Corona-Krise tragen und vom Arbeitsmarkt verdrängt werden", forderte Benner unter Verweis auf Untersuchungen, denen zufolge Mütter häufiger als Väter ihre Arbeitszeit reduzieren oder mitunter gar nicht mehr arbeiten gehen.

Die Corona-Krise stellt Eltern bei der Kinderbetreuung vor große Herausforderungen. Laut einer Umfrage für das digitale Wirtschaftsmagazin "Business Insider" bleibt jedes sechste Kind von arbeitenden Eltern sich allein überlassen. Auf die Frage, wer aktuell auf ihr Kind im Alter von unter zwölf Jahren aufpasst, während sie arbeiten, antworteten 17,3 Prozent der befragten arbeitenden Eltern: "niemand".

Die Umfrage zeigt zudem, dass sich zwar fast zwei Drittel der Eltern (64,1 Prozent) selbst um ihr Kind kümmern. Aber: 10,8 Prozent greifen für die Betreuung ihrer Kinder auch auf die Großeltern zurück - obwohl gerade ältere Menschen als besondere Corona-Risikogruppe gelten.

An der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey nahmen von Montag bis Donnerstag 3211 arbeitende Eltern mit Kindern unter zwölf Jahren teil.


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