21.04.2020, 03:49 Uhr

Berlin (AFP) Bericht: Spahn will keine Gesetzesregelung für sogenannte Triage

Beatmungsgerät auf Intensivstation .
Quelle: AFP/Archiv/Ronny Hartmann (Foto: AFP/Archiv/Ronny Hartmann)Beatmungsgerät auf Intensivstation . Quelle: AFP/Archiv/Ronny Hartmann (Foto: AFP/Archiv/Ronny Hartmann)

Debatte um Patienten-Sortierung in Notfallmedizin durch Corona-Krise verschärft

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht laut einem Zeitungsbericht trotz der Coronavirus-Pandemie keine Notwendigkeit, per Gesetz zu regeln, welche Patienten im Fall von unzureichenden Behandlungskapazitäten vorrangig medizinisch versorgt werden sollen. Gesetzgeberischer Handlungsbedarf zu diesen medizinischen Fragen bestehe nicht, heißt es in einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen, aus der das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) in seinen Dienstagsausgaben zitiert.

In seiner Antwort verweist das Ministerium laut RND lediglich auf die gemeinsame Empfehlung mehrerer ärztlicher Fachgesellschaften und eine Stellungnahme des Deutschen Ethikrates. Das Gremium hatte im März erklärt: "Der Staat darf menschliches Leben nicht bewerten und deshalb auch nicht vorschreiben, welches Leben in einer Konfliktsituation zu retten ist."

Die Grünen reagierten empört auf die Antwort des Gesundheitsministeriums auf ihre Anfrage. Sie sei fassungslos, sagte die Grünen-Sprecherin für Behindertenpolitik, Corinna Rüffer, dem RND. Wenn sich die Ärzte bei der Einstufung von Patienten in der Notfallmedizin an die Empfehlungen der Fachgesellschaften und des Ethikrats hielten, "hätten viele behinderte Menschen so gut wie keine Chance auf eine lebenserhaltende Behandlung".

Patientinnen und Patienten würden in diesen Empfehlungen unter anderem auf einer "Gebrechlichkeits-Skala" einsortiert, sagte Rüffer. Viele behinderte Menschen landeten in dieser Skala "weit hinten - und zwar ganz unabhängig davon, ob sie mit Hilfe einer Intensivbehandlung wieder gesund werden könnten".

Die Corona-Pandemie hat die Diskussion um die sogenannte Triage angeheizt. Dabei handelt es sich um eine notfallmedizinische Methode, bei der Patienten mit Blick auf die Schwere von Erkrankungen oder Verletzungen sortiert werden. In der Corona-Krise hat der Begriff eine Dimension, die er sonst nur in Katastrophen- oder Kriegsfällen hat: Im Fall der Überlastung von Gesundheitssystemen werden begrenzte medizinische Ressourcen auf jene Patienten mit den besten Überlebenschancen konzentriert.


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