20.04.2020, 13:52 Uhr

Berlin (AFP) Handelsverband erwartet keinen Ansturm auf die Geschäfte

Geschlossener Laden in Potsdam .
Quelle: AFP/Tobias SCHWARZ (Foto: AFP/Tobias SCHWARZ)Geschlossener Laden in Potsdam . Quelle: AFP/Tobias SCHWARZ (Foto: AFP/Tobias SCHWARZ)

Branche kritisiert Öffnungsregeln erneut als "ungerecht"

In vielen Städten Deutschlands haben am Montag nach vier Wochen die ersten Läden wieder aufgemacht. "Die Händler freuen sich natürlich sehr, dass sie wieder für ihre Kunden da sein können", sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Kai Falk. "Nach mehreren Wochen der Schließung zählt jetzt jeder Euro Umsatz." Einen Ansturm auf die Geschäfte am Montag und auch in den kommenden Tagen erwarten die Einzelhändler demnach aber nicht.

"Wir erwarten keinen Run auf die geöffneten Geschäfte, denn die Konsumstimmung ist wegen der Corona-Krise schlecht", sagte Falk. Das Konsumbarometer des Verbandes habe im April einen historischen Tiefststand erreicht: "Die Verbraucher halten ihr Geld eher zusammen, viele sind auf Kurzarbeit und fürchten um ihre Jobs."

Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern dürfen in zahlreichen Bundesländern wieder ihre Türen öffnen. Dabei müssen sie jedoch Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zum Vermeiden von Warteschlangen beachten. Unabhängig von der Größe ihrer Verkaufsflächen können Auto- und Fahrradgeschäfte sowie Buchhandlungen wieder öffnen.

HDE-Geschäftsführer Falk kritisierte die Öffnungsregeln erneut als "ungerecht", sie verzerrten den Wettbewerb. Das Kriterium für eine Wiedereröffnung sollten keine Quadratmeterzahlen sein, sondern die Konzepte für Hygiene und Abstand. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth betonte im ZDF-"Morgenmagazin", laut Virologen habe sich im Lebensmittelhandel "zuletzt niemand angesteckt". Der Handel wisse aber, "dass wir weiter Auflagen brauchen".

Nach Angaben des Verbandes entstand allein im Nicht-Lebensmittel-Einzelhandel in den zurückliegenden vier Wochen ein Schaden von 30 Milliarden Euro. Viele Unternehmen stünden kurz vor der Pleite. Laut HDE ist besonders der Modehandel "in großer Bedrängnis". Die oft schon vor Wochen bestellte und angelieferte Frühjahrskollektion sei in Kürze nicht mehr verkäuflich.

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie legte am Montag daher ein "Re-Start-Programm" in acht Schritten vor, um eine Pleitewelle der Branche abwenden zu können. Sollten die Infektionsraten weiterhin auf niedrigem Niveau verbleiben, "müssen die Beschränkungen zur Wiedereröffnung der Läden sowie die Beeinträchtigung des Waren- und Personenverkehrs schnellstmöglich, also spätestens ab dem 4. Mai, aufgehoben werden", forderte Verbandspräsidentin Ingeborg Neumann. Die Bundesregierung müsse hier frühzeitig einen klaren Fahrplan vorlegen.

In dem Programm schlägt der Verband eine zeitlich befristete Reduzierung der Mehrwertsteuer und der Einfuhrumsatzsteuer für sämtliche Textil- und Lederwarenerzeugnisse vor. Verbraucher sollen Einkaufsgutscheine mit einer zeitlich befristeten Gültigkeit bekommen. Zudem wünscht der Verband eine rasche und vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags, "das würde einen zusätzlichen Impuls für eine wirtschaftliche Wiederbelebung setzen". Die Läden sollen zudem länger und auch sonntags öffnen dürfen.


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