20.04.2020, 07:08 Uhr

Brüssel (AFP) Conte pocht vor EU-Gipfel auf Corona-Bonds

Italiens Regierungschef Conte.
Quelle: AFP/Archiv/Tiziana FABI                         (Foto: AFP/Archiv/Tiziana FABI                        )Italiens Regierungschef Conte. Quelle: AFP/Archiv/Tiziana FABI (Foto: AFP/Archiv/Tiziana FABI )

Währungskommissar Gentiloni will Hilfen von insgesamt 1,5 Billionen Euro

Vor dem EU-Videogipfel am Donnerstag hat Italiens Regierungschef Giuseppe Conte seine Forderung nach sogenannten Corona-Bonds erneuert. Es brauche jetzt "die ganze Feuerkraft der Europäischen Union, und zwar über die Ausgabe von gemeinsamen Anleihen", sagte Conte der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). EU-Währungskommissar Paolo Gentiloni forderte im "Spiegel" Wirtschaftshilfen von mindestens einer weiteren Billion Euro.

Conte sagte zum deutschen Widerstand gegen Corona-Bonds: "Nicht ein einziger Euro der Deutschen wird dafür verwendet, italienische Schulden zu bezahlen." Die Solidarität sei "ganz spezifisch ausgelegt und zeitlich beschränkt". Auch die Niederlande lehnen solche Gemeinschafts-Anleihen ab. Die Staats- und Regierungschefs beraten am Donnerstag per Videokonferenz über weitere Maßnahmen.

Der italienische EU-Währungskommissar Paolo Gentiloni warnte dagegen vor "rückwärtsgewandten Diskussionen" über Corona-Bonds. Er bezifferte die möglichen Gesamtkosten zur Bekämpfung der Krise auf 1,5 Billionen Euro. Die EU-Finanzminister hatten sich zuletzt auf ein Hilfspaket von rund 500 Milliarden Euro verständigt. Dazu gehören unter anderem Kredite des Euro-Rettungsfonds ESM. Die zusätzliche Billion könnte nach Gentilonis Vorstellung aus dem nächsten mehrjährigen EU-Haushalt kommen.

Italien ist neben Spanien das am schwersten von der Corona-Pandemie getroffene EU-Land. Dort starben bisher 23.660 Menschen an der Virus-Erkrankung. Mit einem Schuldenstand von über 130 Prozent der Wirtschaftsleistung hat Rom aber wenig finanziellen Spielraum.


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