13.04.2020, 10:59 Uhr

Berlin (AFP) Lehrerverband: Ein Viertel der Schüler wurde in vergangenen Wochen abgehängt

Klassenzimmer in Magdeburg.
Quelle: AFP/Archiv/Ronny Hartmann (Foto: AFP/Archiv/Ronny Hartmann)Klassenzimmer in Magdeburg. Quelle: AFP/Archiv/Ronny Hartmann (Foto: AFP/Archiv/Ronny Hartmann)

Meidinger gegen zeitgleiche Öffnung der Schulen in allen Bundesländern

Wegen der Schulschließungen in den vergangenen Wochen sind nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbands Millionen Schüler abgehängt worden. Er fürchte, "dass bis zu ein Viertel aller Schüler in den vergangenen Wochen von jenen, die andere Voraussetzungen hatten, abgehängt wurde", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger der Zeitung "Welt" (Dienstagsausgabe).

Diese Gruppe dürfte laut Meidinger "keine oder nur eine sehr eingeschränkte Beschulung erhalten haben". Die Schere sei in den letzten Wochen "zweifelsohne weiter auseinander gegangen". Es gehe etwa um Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen, aus schwierigen sozialen Verhältnissen und ohne ausreichende technische Ausstattung, erläuterte der Lehrerverbandspräsident.

Der Bildungsrückstand für diese rund drei Millionen Mädchen und Jungen wiege immer schwerer, je länger das Homeschooling andauere, warnte Meidinger. Um diese Gruppe müsse man sich verstärkt kümmern. "Es ist eine der dringlichsten Aufgaben der Bildungspolitik zu verhindern, dass die Schulschließungen dazu führen, dass wir eine ganze Generation bekommen, deren Schullaufbahn dauerhaft gefährdet ist", forderte er.

Eine Möglichkeit wäre, diese Gruppe bei Öffnung der Schulen vorrangig zu behandeln. "Bevor also alle Schüler wieder unterrichtet werden, könnte man mit ihnen zunächst Versäumtes nacharbeiten." Darüber hinaus müssten Zusatzangebote für diese Gruppe geschaffen werden, wenn der reguläre Unterricht wieder laufe, etwa Förderkurse oder Ganztagsangebote. Auch "aufholende Beschulungsangebote" in den Ferien seien denkbar.

Meidinger wandte sich gegen ein zeitgleiches Vorgehen aller Bundesländer beim Hochfahren des Schulbetriebs. Er verwies darauf, dass es Länder gebe, in denen das Schuljahr schon im Juni endet, und andere, in denen noch bis Ende Juli Unterricht stattfindet. Darauf müsse man auch Rücksicht nehmen.

Er halte es für möglich und angemessen, dass man die Schulen je nach Betroffenheit eines Landes durch die Corona-Krise und mit Blick auf die Dauer des Schuljahres zu unterschiedlichen Zeitpunkten wieder öffne. "Zunächst könnten die Abschlussklassen zurück an die Schulen oder auch die Schüler mit besonderem Förderbedarf und dann schrittweise alle."


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