13.04.2020, 14:20 Uhr

London (AFP) Britischer Premier Johnson konzentriert sich auf Genesung

Boris Johnson bei seiner Video-Botschaft nach dem Krankenhausaufenthalt.
Quelle: 10 Downing Street/AFP/Pippa FOWLES (Foto: 10 Downing Street/AFP/Pippa FOWLES)Boris Johnson bei seiner Video-Botschaft nach dem Krankenhausaufenthalt. Quelle: 10 Downing Street/AFP/Pippa FOWLES (Foto: 10 Downing Street/AFP/Pippa FOWLES)

Zahl der Corona-Toten in Großbritannien übersteigt Marke von 11.000

Der an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankte britische Premierminister Boris Johnson konzentriert sich nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus seinem Sprecher zufolge "auf seine Genesung". Der Premier führe derzeit keine Regierungsgeschäfte, teilte sein Sprecher am Montag mit. Nach dem Verlassen der Klinik hatte Johnson zugegeben, dass sein Leben auf Messers Schneide stand. Die Zahl der Corona-Toten in Großbritannien stieg derweil um 717 auf über 11.000.

Johnson wurde auf den Landsitz Chequers nordwestlich von London gebracht, um sich dort weiter zu erholen. Zurzeit wird der Premier von Außenminister Dominic Raab vertreten, mit dem er am Wochenende erneut sprach. Wann der Regierungschef seine Arbeit wieder aufnimmt, war zunächst unklar.

Ein von der Downing Street veröffentlichtes Video aus Chequers zeigte einen sichtlich müden Premierminister in Anzug und Krawatte, der sich trotz allem kämpferisch gibt. "Wir werden dieses Coronavirus besiegen, und wir werden es gemeinsam besiegen", sagte er. Über seine Erkrankung sagte Johnson, es hätte "so oder so laufen können".

Berichten zufolge soll Johnsons schwangere Partnerin Carrie Symonds mittlerweile auf dem Landsitz eingetroffen sein. Sie hatte Anfang des Monats nach eigenen Angaben selbst unter Coronavirus-Symptomen gelitten.

Der 55-jährige konservative Regierungschef war am Sonntag vor einer Woche ins Londoner St.-Thomas-Krankenhaus eingeliefert worden, nachdem sich die Symptome infolge seiner Ende März bestätigten Infektion mit dem neuartigen Coronavirus verschlimmert hatten. Am Montagabend kam er dann auf die Intensivstation und musste mit Sauerstoff behandelt werden. Erst am Donnerstag wurde er wieder auf eine normale Station verlegt, wo sich sein Zustand stetig verbesserte.

Britischen Medienberichten zufolge vertrieb er sich die Zeit mit Sudoku und Filmen wie "Tatsächlich Liebe". Seine Partnerin Symonds sandte ihm demnach Ultraschallbilder seines nächsten Kindes.

Johnsons schwere Erkrankung und seine Verlegung auf die Intensivstation inmitten der Corona-Krise hatten Großbritannien in einen Schockzustand versetzt. Er ist der ranghöchste Politiker weltweit, der an Covid-19 erkrankt ist.

In dem Video dankte Johnson seinem Behandlungsteam in der staatlichen Klinik. Sein Leben verdanke er insbesondere zwei Krankenpflegern aus Neuseeland und Portugal, die in den kritischsten 48 Stunden nicht von seinem Bett gewichen seien, sagte er. Bei vielen Mitarbeitern des staatlichen Gesundheitsdiensts (NHS) handelt es sich um Einwanderer.

Beim NHS nehmen unterdessen die Beschwerden über die Zustände in den britischen Krankenhäusern zu. Pfleger und Ärzte klagen vor allem über einen eklatanten Mangel an Schutzausrüstung.

Die Zahl der Virus-Toten in Großbritannien stieg am Montag auf insgesamt 11.329, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Binnen eines Tages starben demnach 717 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Von Samstag auf Sonntag waren 737 Todesfälle gezählt worden. In den beiden vorangegangen Tagen waren jeweils knapp tausend Tote gezählt worden.

Die tatsächliche Zahl dürfte noch weitaus höher liegen, da nur die Opfer in Krankenhäusern gezählt werden, nicht aber beispielsweise in Alten- und Pflegeheimen. Die Zahl der bestätigten Infektionen liegt bei insgesamt 88.621.

Königin Elizabeth II. rief unterdessen ihre Landsleute auf, zu Hause zu bleiben. "Indem wir uns voneinander fernhalten, schützen wir andere", sagte die 93-jährige Monarchin in ihrer vorab aufgezeichneten Osterbotschaft, die der Buckingham am Samstagabend veröffentlichte.

Die Regierung dürfte in den nächsten Tagen über eine Verlängerung der seit 23. März geltenden Ausgangssperre entscheiden. Die Maßnahme galt zunächst für drei Wochen, ihre Verlängerung gilt als sehr wahrscheinlich.


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