01.04.2020, 14:38 Uhr

Kabul (AFP) Erstmals direkte Gespräche zwischen Taliban und Regierung über Gefangenenaustausch

Freilassung von Häftlingen zentraler Teil des Abkommens zwischen USA und Taliban

Die afghanische Regierung und die radikalislamischen Taliban haben sich erstmals zu direkten Gesprächen über einen Gefangenenaustausch in Kabul getroffen. Beide Seiten hätten am Dienstag über die Freilassung afghanischer Sicherheitskräfte und von Taliban-Mitgliedern verhandelt, teilte der Nationale Sicherheitsrat am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Die Taliban bestätigten die Gespräche über den Gefangenenaustausch, schlossen darüber hinausgehende "politische Gespräche" aber aus.

Der Gefangenenaustausch ist zentraler Bestandteil eines Abkommens zwischen den USA und den Taliban zur Beendigung des jahrelangen bewaffneten Konflikts in Afghanistan. Weil die afghanische Regierung und die Taliban in dieser Frage aber uneins sind, wurde dieser Punkt bislang nicht umgesetzt.

Es war das erste Mal, dass die Taliban zu direkten Gesprächen mit der Regierung nach Kabul eingeladen wurden. Die vorangegangenen Verhandlungen waren per Videokonferenz geführt worden. Im Laufe des Mittwochs wollten sich die Vertreter beider Seiten erneut treffen, wie der Nationale Sicherheitsrat mitteilte. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sei als Beobachter dabei.

Der Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid sagte, es handele sich lediglich um "technische" Gespräche über den Gefangenenaustausch. "Es ist keine Verhandlung", hob der Sprecher hervor. "Politische Gespräche" seien nicht geplant.

Das Abkommen zwischen den USA und den Taliban sieht vor, dass bis zu 5000 gefangene Taliban-Kämpfer und bis zu tausend verschleppte afghanische Soldaten freikommen. Der Austausch sollte ursprünglich bereits am 10. März stattfinden. Dann sollten auch die innerafghanischen Friedensverhandlungen beginnen. Da sich beide Seiten bisher nicht einigen konnten, wurde dies verschoben.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte am Mittwoch alle Beteiligten auf, sich konstruktiv zu verhalten, ihre Verpflichtungen zu erfüllen und dafür zu sorgen, dass nun auch die innerafghanischen Friedensverhandlungen beginnen könnten. Die Taliban könnten den Konflikt "niemals auf dem Schlachtfeld gewinnen", erklärte Stoltenberg. "Sie müssen sich an den Verhandlungstisch setzen".

In ihrem Abkommen hatten die USA und die Taliban vereinbart, dass die USA ihre Truppenstärke in Afghanistan in einem ersten Schritt binnen 135 Tagen von mehr als 12.000 auf 8600 reduzieren und fünf ihrer etwa 20 Stützpunkte schließen. Im Gegenzug sollen die Taliban Garantien geben, dass sie das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekämpfen sowie Friedensverhandlungen mit der afghanischen Regierung in Kabul beginnen.

Sollten sich die Taliban an ihre Verpflichtungen halten, wollen die USA in 14 Monaten all ihre Truppen und die ihrer Verbündeten abziehen. Mit einem Teilabzug aus Afghanistan haben die USA inzwischen bereits begonnen.

Stoltenberg geht davon aus, dass sich die Truppenstärke der Nato bis zum Sommer von 16.000 auf 12.000 Soldaten reduzieren wird. Die Entscheidung über einen weiter gehenden Truppenabzug stehe noch aus und hänge von der Situation in Afghanistan ab.


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