31.03.2020, 04:13 Uhr

Berlin (AFP) Ende der Kontaktverbote in Deutschland nicht in Sicht


Zunehmende Hoffnungsschimmer in Corona-Krise in Italien und Spanien

Ein Ende der strikten Kontaktverbote in Deutschland ist weiterhin nicht in Sicht. Die Innenminister von Bund und Ländern stimmten bei einer Telefonkonferenz überein, dass die Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie weiterhin "in aller Konsequenz aufrechterhalten und durchgesetzt werden" müssen, wie die thüringische Landesregierung am Montag mitteilte. In Italien und Spanien keimen unterdessen vorsichtige Hoffnungen, dass der Höhepunkt der Erkrankungswellen in absehbarer Zeit überschritten sein könnte.

In Deutschland verwies der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Thüringens Ressortchef Georg Maier (SPD), darauf, dass die Kontaktbeschränkungen erst Wirkung entfalten müssten. Es gebe noch keine verlässlichen Zahlen, ob und wie sie wirkten. "Deshalb kommt eine Lockerung der Maßnahmen gegenwärtig nicht in Betracht", erklärte Maier.

Seit Montag vergangener Woche sind in ganz Deutschland Kontakte von mehr als zwei Menschen im öffentlichen Raum verboten. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) appellierte nun an alle Bürger, sich weiterhin daran zu halten: "Das ist zwingend erforderlich, um Leben zu retten."

"Wir sind erst am Anfang der Pandemie und dürfen nicht frühzeitig die notwendigen Maßnahmen zur Unterbrechung der Infektionsketten aufheben", betonte Seehofer. Angesichts der massiven Auswirkungen der Anti-Corona-Maßnahmen unter anderem auf die Wirtschaft waren in den vergangenen Tagen vermehrt Stimmen laut geworden, Lockerungen ins Auge zu fassen.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts wurden in Deutschland bis Montag 57.298 Corona-Infizierte und 455 Todesopfer der von dem Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 verzeichnet. Die Johns-Hopkins-Universität in den USA registrierte bis in die Nacht zum Dienstag 66.855 Infektionsfälle in Deutschland. Die deutlich abweichenden Zahlen sind auf unterschiedliche Verfahren beim Einsammeln der Daten zurückzuführen.

In Italien wurde unterdessen die seit drei Wochen geltende Ausgangssperre bis mindestens zum 12. April - also Ostern - verlängert. Die Regierung folgte damit der Empfehlung ihres wissenschaftlichen Beratergremiums, alle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie aufrechtzuerhalten, wie Gesundheitsminister Roberto Speranza mitteilte. Auch die Schließungen nicht lebensnotwendiger Betriebe wurden damit bis Ostern verlängert.

Mit rund 11.600 Opfern führt Italien die weltweite Rangfolge der Corona-Toten an. Mehr als 100.000 Infektionen wurden im Land nachgewiesen. Gleichwohl sehen die Behörden zunehmend ermutigende Zeichen im Kampf gegen das Virus. Der Höhepunkt der Pandemie sei für sein Land in sieben bis zehn Tagen zu erwarten, sagte Vize-Gesundheitsminister Pierpaolo Sileri.

Der Anstieg bei den Neuinfektionen sank nach Angaben des italienischen Zivilschutzes am Montag auf ein neues Tief von 4,1 Prozent. Vier Tage zuvor war der Anstieg noch doppelt so hoch, vor zwei Wochen mehr als vier Mal so hoch gewesen.

In Spanien wurden die Einschränkungen des öffentlichen Lebens weiter verschärft. Auch dort wurden seit Montag alle nicht lebensnotwendigen Betriebe geschlossen, die Maßnahme gilt für mindestens zwei Wochen. Auch Beerdigungszeremonien sind nun in Spanien untersagt.

Spanien ist mit bis Montag 7340 registrierten Todesopfern nach Italien das Land mit den weltweit meisten Corona-Toten. Die Zahl der verzeichneten Infektionsfälle stieg in Spanien stieg auf rund 85.200. Auch die spanischen Behörden sehen inzwischen jedoch Hoffnungsschimmer. Die registrierten Neuinfektionen stiegen am Montag nur noch um acht Prozent, am Mittwoch vergangener Woche hatte die Zunahme noch 20 Prozent betragen.

Das weltweite Hauptzentrum der Pandemie sind die USA. Dort wurde am Montag die Schwelle von 3000 verzeichneten Todesopfern überschritten. Mit mehr als 164.000 registrierten Infektionen führen die Vereinigten Staaten die globale Länderliste der Ansteckungsfälle deutlich an.

US-Präsident Donald Trump, der noch kürzlich den Beginn der Rückkehr zur Normalität schon zu Ostern vorhergesagt hatte, gibt inzwischen Durchhalteparolen an die Bevölkerung aus. In den nächsten 30 Tagen stünden den USA noch "schwere Zeiten" bevor, sagte er.


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