27.03.2020, 16:48 Uhr

Paris (AFP) Frankreich verlängert Ausgangssperre bis zum 15. April

Eine Covid-19-Patientin in einer Klinik in Colmar im Elsass.
Quelle: AFP/SEBASTIEN BOZON (Foto: AFP/SEBASTIEN BOZON)Eine Covid-19-Patientin in einer Klinik in Colmar im Elsass. Quelle: AFP/SEBASTIEN BOZON (Foto: AFP/SEBASTIEN BOZON)

Weitere Welle von Corona-Erkrankungen erwartet

Frankreich verlängert wegen der weiter starken Ausbreitung des Coronavirus die seit zehn Tagen geltenden Ausgangssperre bis zum 15. April. Premierminister Edouard Philippe sagte am Freitag zur Begründung, das Land stehe noch "am Anfang der epidemischen Welle". Am Wochenende erwartet die Regierung erneut einen sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen. Neben den überlasteten Krankenhäusern in Ostfrankreich riefen auch die Pariser Kliniken um Hilfe.

Philippe sprach nach einem Krisentreffen der Regierung vor einer "extrem" großen Welle, die "über Frankreich hinwegspült". In den kommenden Tagen werde die Situation für die Krankenhäuser und die Bürger besonders schwierig werden, warnte er.

Solle die Corona-Krise auch nach Ostern anhalten, könnte das Ausgehverbot nach den Worten des Regierungschefs auch noch ein weiteres Mal verlängert werden. Bisher war es bis zum 31. März befristet. Ausnahmen sollen auch künftig unter anderem für zwingende Fahrten zur Arbeit, für das Einkaufen und Arztbesuche gelten.

Nach Angaben des Innenministeriums stellte die Polizei in den vergangenen zehn Tagen 225.000 Bußzettel wegen Verstößen gegen die strengen Auflagen aus. Ein Bußgeld von mindestens 135 Euro riskieren alle, die sich weiter als einen Kilometer vom Wohnort entfernen, um Sport zu machen oder mit Kindern spazieren zu gehen. Wer das Haus verlässt, muss ein ausgedrucktes Formular mit sich führen.

Mit bisher knapp 1700 Toten gehört Frankreich nach Italien und Spanien zu den am meisten betroffenen Ländern der EU. Innerhalb von 24 Stunden war die offizielle Zahl der Toten nach Angaben vom Donnerstagabend um 365 gestiegen. Für Entsetzen sorgte der Tod einer 16-Jährigen aus dem Pariser Süden, die nach Angaben ihrer Familie keine Vorerkrankungen hatte.

Die Pariser Krankenhäuser forderten angesichts der vielen Notfälle Hilfe: Es müssten dringend Patienten in andere Regionen verlegt werden, "um für die Kranken von morgen oder übermorgen Platz zu schaffen", sagte der leitende Arzt Bruno Riou von der öffentlichen Krankenhausgesellschaft Assistance Publique - Hôpitaux de Paris (AP-HP). Der Pariser Großraum ist neben dem Osten Frankreichs das am stärksten betroffene Gebiet.

Aus dem Krisengebiet im Elsass wurden sechs weitere Patienten in den Westen Frankreichs verlegt. Ein Militärflugzeug brachte Kranke aus überfüllten Kliniken in Mülhausen und Colmar nach Bordeaux. Am Wochenende sollen zudem 48 weitere Intensiv-Patienten mit zwei medizinisch umgerüsteten Zügen aus Mülhausen und Nancy verlegt werden, wie die Gesundheitsbehörde in Bordeaux mitteilte. Bereits zuvor waren 20 Kranke erstmals mit einem medizinisch umgerüsteten TGV-Schnellzug nach Westfrankreich gebracht worden.

Der Tod einer Supermarkt-Kassiererin und von zwei Mitarbeitern von Lieferdiensten rief erneut die Gewerkschaften auf den Plan: Sie forderten einen besseren Schutz für solche Arbeiter. Eine Polizeigewerkschaft rief ihre Mitarbeiter auf, die Kontrollen der geltenden Ausgangssperre einzustellen, solange es nicht Schutzmasken für jeden Beamten gebe.

Auch die überfüllten französischen Gefängnisse sind vom Coronavirus betroffen: Nach Angaben der nationalen Gefängnisverwaltung DAP sind in verschiedenen Haftanstalten rund 50 Wärter erkrankt sowie mehr als 20 Insassen.


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