23.03.2020, 17:05 Uhr

Rom (AFP) 1,7 Milliarden Menschen weltweit von Ausgangsbeschränkungen betroffen

UN-Generalsekretär ruft zu weltweitem Waffenstillstand auf

Mehr als 15.000 Tote und immer striktere Ausgangsbeschränkungen für rund 1,7 Milliarden Menschen rund um den Globus - weltweit breitet sich angesichts der Coronavirus-Pandemie zunehmend ein Gefühl von Panik aus. Mehr als 50 Länder und Gebiete schränken inzwischen die Bewegungsfreiheit ihrer Bürger ein, wie aus einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP vom Montag hervorgeht. UN-Genrealsekretär António Guterres rief wegen der Pandemie zu einem sofortigen globalen Waffenstillstand auf.

In mindestens 34 Ländern und Gebieten wie Italien, Frankreich und dem US-Bundesstaat Kalifornien sind die Ausgangssperren verpflichtend. In den meisten Ländern dürfen die Menschen aber immer noch zum Arbeiten, zum Einkaufen und zum Arzt gehen.

In anderen Ländern wie Deutschland, Großbritannien und dem Iran gibt es bisher strenge Ausgangsbeschränkungen, aber keine offiziellen Ausgangssperren. Die Menschen wurden aber aufgefordert, zu Hause zu bleiben und Kontakte zu reduzieren.

Für Deutschland wurde am Sonntag die Versammlungsfreiheit eingeschränkt, so dass sich nicht mehr als zwei Menschen im öffentlichen Raum gemeinsam aufhalten dürfen - mit Ausnahme von Familien. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begab sich am Sonntag selbst vorsorglich in Quarantäne, nachdem sie von einem mit dem Virus infizierten Arzt behandelt worden war.

Am Montag führten auch Griechenland und Neuseeland Ausgangsbeschränkungen ein. Allein in Indien sind 700 Millionen Menschen von Ausgangsbeschränkungen betroffen. Hongkong lässt nur noch seine eigenen Bewohner einreisen.

In weiteren Ländern und Gebieten wurden nächtliche Ausgangssperren verhängt, darunter Chile, Burkina Faso, Serbien und die philippinische Hauptstadt Manila. In Saudi-Arabien sollte am Montagabend eine nächtliche Ausgangssperre in Kraft treten. Andere Länder wie Bulgarien riegelten Großstädte ab.

In Großbritannien wurden die Eindämmungsmaßnahmen derweil verschärft, nachdem am Wochenende zahlreiche Briten trotz gegenteiliger Aufforderungen an Urlaubsorte und Strände geströmt waren. In den USA ordnete Präsident Donald Trump die Errichtung tausender Notfallbetten in besonders betroffenen Gebieten an. "Wir sind im Krieg", erklärte Trump.

Zugleich beklagte Trump aber die Auswirkungen der Eindämmungsmaßnahmen auf die Wirtschaft - diese dürften "nicht schlimmer als das Problem selbst" sein, twitterte er. Australiens Premier Scott Morrison warnte, die Weltwirtschaft könne ähnlich schwer getroffen werden wie bei der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre.

Das Coronavirus breitet sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) immer schneller aus. Es sei jedoch immer noch möglich, den Verlauf der Pandemie zu beeinflussen, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Länder forderte er zum "Angriff" auf.

Durch die Pandemie kamen weltweit inzwischen mehr als 15.100 Menschen ums Leben, wie eine AFP-Auswertung von Behördenangaben ergab. Weltweit stieg die Zahl der Infizierten auf 340.000. Mit 9197 Todesfällen ist Europa der Kontinent mit den meisten Opfern. In einigen Ländern mit überfüllten Krankenhäusern müssen Ärzte inzwischen Patienten entsprechend ihrer Überlebenschancen bewerten und bevorzugen.

Allein in Italien starben 5476 Infizierte. Damit hat das EU-Land die meisten Coronavirus-Opfer weltweit zu beklagen, gefolgt von China mit 3270 Toten. Trotz der weiterhin hohen Opferzahlen war der Anstieg zuletzt nicht mehr ganz so rasant, was Anlass zu vorsichtigem Optimismus gab, dass in Italien der Höhepunkt der Pandemie womöglich erreicht ist.

In der chinesischen Metropole Wuhan, von wo die Pandemie im Dezember ihren Ausgang genommen hatte, normalisiert sich die Lage nach strikten Isolationsmaßnahmen hingegen langsam. Am Montag durften die Einwohner wieder zur Arbeit, auch der öffentliche Nahverkehr rollte langsam wieder an.

Die Volksrepublik registrierte am Montag erneut keine Coronavirus-Ansteckungen innerhalb des Landes. Es seien allerdings 39 Neuinfektionen bei aus dem Ausland eingereisten Menschen festgestellt worden. Mittlerweile bereiten Peking insbesondere solche aus dem Ausland eingeschleppten Infektionen Sorgen.

UN-Generalsekretär Guterres forderte derweil einen "sofortigen weltweiten Waffenstillstand". Zivilisten in Konfliktgebieten müssten vor der Pandemie geschützt werden. "Die Heftigkeit des Virus" verdeutliche, wie "unsinnig" Kriege seien.


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