23.03.2020, 13:27 Uhr

Berlin (AFP) RKI vorsichtig optimistisch angesichts strenger Maßnahmen in Corona-Krise

Wieler: "Abstand halten ist das Gebot der Stunde"

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat sich vorsichtig optimistisch gezeigt, dass die wegen der Corona-Krise getroffenen Maßnahmen in Deutschland bald greifen könnten. "Wir sehen den Trend, dass sich die exponentielle Wachstumskurve etwas abflacht", sagte Wieler am Montag in Berlin. Für hundertprozentige Aussagen sei es aber noch zu früh. Insgesamt nehme die Epidemie weltweit weiter stark zu.

Vor einer Woche waren in Deutschland weitgehend Schulen und Kitas geschlossen worden. Auch andere öffentliche Einrichtungen wie Klubs machten dicht, zudem wurden Öffnungszeiten etwa von Restaurants zunächst stark eingeschränkt. Wieler geht davon aus, dass am Mittwoch eindeutiger bewertet werden kann, ob diese Maßnahmen bereits greifen. Das exponentielle Wachstum beschreibt, wie sich die Fallzahlen in einem bestimmten Zeitraum verdoppeln, das Wachstum also immer schneller wird.

Zuletzt waren die Maßnahmen nochmals verschärft worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einigte sich am Sonntag mit den Ministerpräsidenten der Länder darauf, die Versammlungsfreiheit bundesweit massiv einzuschränken. Unter anderem sind Kontakte von mehr als zwei Menschen im öffentlichen Raum seit Montag verboten.

Wieler appellierte erneut nachdrücklich an die Menschen, sich an die von Bund und Ländern getroffenen Maßnahmen wie Kontaktverbote und einen Mindestabstand von eineinhalb Metern zu anderen Menschen zu halten. "Wir haben es in der Hand, dazu beizutragen, dass sich die Epidemie abflacht", sagte Wieler. "Abstand halten ist das Gebot der Stunde."

Die Auswertung anonymer Mobilfunkdaten zeigt demnach, dass die Mobilität der Menschen in Deutschland insgesamt reduziert sei. Dies geschehe aber noch nicht genügend, sagte Wieler. Die Risikowahrnehmung in der deutschen Bevölkerung angesichts der Gefahr durch das neuartige Coronavirus sei zwar gestiegen. Allerdings gebe es "leider immer noch eine Kluft zwischen Wissen und Handeln", sagte der RKI-Präsident.

Wieler bezog sich auch auf eine wöchentliche Onlineumfrage in Zusammenarbeit mit der Universität Erfurt zur subjektiven Einschätzung der Risiken durch das Coronavirus. Nach den zuletzt am Freitag von der Hochschule veröffentlichten Ergebnissen stieg im Vergleich zur Vorwoche die Risikowahrnehmung deutlich an, auch suchen die Menschen häufiger nach Informationen. Allerdings werden selbst einfache Schutzmaßnahmen demnach nur unzureichend umgesetzt.

Dabei fühlen sich 59 Prozent der Bundesbürger gut darüber informiert, wie sich eine Infektion mit dem Coronavirus vermeiden lässt. Das geht aus einer Umfrage der Krankenkasse Barmer unter 1200 Bundesbürgern hervor, die vom 9. bis zum 13. März befragt wurden. Jeder Fünfte wünscht sich einen Corona-Test auch ohne konkreten Verdacht.

Wieler bekräftigte hingegen, dass weiterhin gezielt und bestimmte Personengruppen getestet werden müssten. Dabei gehe es unter anderem um Menschen, die Kontakt mit einem Infizierten hatten, um Kranke und medizinisches Personal. Die Tests müssten "strategisch" eingesetzt werden.

Das RKI gab die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Montag mit 22.672 an - ein Plus von 4062 seit dem Vortag. Am Wochenende wurden aber nicht aus allen Gesundheitsämtern Daten übermittelt, weshalb die Fallzahlen nicht die Realität widerspiegeln. Wieler zufolge sind bis Sonntag von den bisher bestätigten Corona-Fällen mindestens 2809 Menschen genesen, tatsächlich dürften es aber weitaus mehr Patienten sein.

Die in der US-Stadt Baltimore ansässige Johns-Hopkins-Universität meldete am Montagnachmittag rund 26.220 Infizierte und 111 Todesfälle in Deutschland. Das RKI registrierte bislang offiziell 86 Todesfälle.


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