20.03.2020, 19:18 Uhr

Genf (AFP) Mehr als 600 Corona-Tote in Italien binnen 24 Stunden

Ein Mann berührt den Sarg seiner Mutter.
Quelle: AFP/Piero Cruciatti (Foto: AFP/Piero Cruciatti)Ein Mann berührt den Sarg seiner Mutter. Quelle: AFP/Piero Cruciatti (Foto: AFP/Piero Cruciatti)

AFP-Zählung: Mehr als 250.000 Infektionsfälle weltweit

Erschütternde Corona-Zahlen aus Italien: Binnen 24 stunden sind in dem Land mehr als 600 Menschen an den Folgen des neuartigen Coronavirus gestorben. Das ist die bisher höchste Opferzahl an einem Tag, wie der italienische Zivilschutz am Freitag mitteilte. Mittlerweile infizierten sich weltweit bereits mehr als eine Viertelmillion Menschen, wie eine AFP-Zählung auf der Grundlage von Behördenangaben ergab. Die Zahl der Toten überstieg die Grenze von 11.000 - mehr als die Hälfte der Menschen starb in Europa.

Die Zahl der Corona-Toten in Italien stieg binnen eines Tages um 627 und damit auf insgesamt mehr als 4000 - das sind so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Die Zahl der bestätigten Infektionen erhöhte sich um fast 6000 auf etwas über 47.000. 36 Prozent der Corona-Todesopfer weltweit sind nun in Italien zu beklagen. Das Land mit seinen 60 Millionen Einwohnern zählte allein in den vergangenen drei Tagen mehr als 1500 Tote, das sind pro Tag mehr als in China auf dem Höhepunkt der dortigen Epidemie.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nannte die Corona-Zahlen aus Italien "fürchterlich". Er verband dies im Onlinedienst Twitter mit dem Aufruf an alle, die Krise ernst zu nehmen. "Bleiben Sie zu Hause, wenn es irgendwie geht", schrieb er.

Trotz drastischer Maßnahmen ist es der Regierung in Rom bisher nicht gelungen, die Lage in den Griff zu bekommen. Nun erwägt sie weitere Einschränkungen wie das Verbot von allen Aktivitäten im Freien. Für ganz Italien gilt seit dem 10. März eine weitgehende Ausgangssperre.

In Spanien starben bisher insgesamt mehr als tausend Infizierte, die Zahl der Ansteckungen nähert sich der Marke von 20.000 Fällen. Mit 2833 Fällen stieg die Zahl der Neuinfektionen nach Behördenangaben um 16,5 Prozent und damit langsamer als am Vortag, als diese 25 Prozent betragen hatte. Frankreich meldete am Freitag 78 Corona-Tote binnen eines Tages, insgesamt 450. Die Zahl der Infektionen lag insgesamt bei 12.612.

In Deutschland infizierten sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zwar bereits mehr als 13.000 Menschen, mit 31 Fällen ist die Zahl der Todesopfer im internationalen Vergleich allerdings niedrig. In Asien wurden mittlerweile 3431 Todesfälle registriert, davon 3248 in China, wie die AFP-Zählung ergab. Im Iran lag die Zahl bei 1433.

Weltweit gab es demnach bislang 11.015 Todesfälle, 256.296 Menschen sind in 163 Ländern infiziert. Die Zahl der registrierten Fälle spiegelt laut Experten jedoch nur einen Bruchteil der tatsächlichen Infektionszahlen wieder, da in vielen Ländern nur die schwersten Fälle getestet werden.

Das Virus war im Dezember in China erstmals bei Menschen festgestellt worden und hat sich mittlerweile auf alle Kontinente ausgebreitet. In zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, wurden drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wie Schulschließungen und Ausgangssperren angeordnet. Der weltweite Reiseverkehr ist praktisch zum Erliegen gekommen.

Die Weltgesundheitsorganisation äußerte sich derweil zu den Zahlen aus China: Dort waren am Donnerstag aus dem Epizentrum des Ausbruchs, der Millionenstadt Wuhan, keine neuen Infektionsfälle mehr gemeldet worden. "Gestern hat Wuhan zum ersten Mal seit Beginn des Ausbruchs keine neuen Fälle gemeldet", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf. "Wuhan gibt dem Rest der Welt die Hoffnung, dass selbst die schlimmste Situation umgedreht werden kann."mkü/cp


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