19.03.2020, 07:49 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) Lufthansa: Coronakrise gefährdet Zukunft der Luftfahrt ohne staatliche Hilfe

Lufthansa-Maschine Mitte März in Chicago.
Quelle: AFP/KAMIL KRZACZYNSKI (Foto: AFP/KAMIL KRZACZYNSKI)Lufthansa-Maschine Mitte März in Chicago. Quelle: AFP/KAMIL KRZACZYNSKI (Foto: AFP/KAMIL KRZACZYNSKI)

Konzernchef Spohr sieht Airline in bislang ungekanntem Ausnahmezustand

Die Coronapandemie birgt nach Einschätzung der Lufthansa die Gefahr, dass die Luftfahrtbranche künftig nur noch mit staatlicher Unterstützung überleben kann. Die Verbreitung des Virus habe die gesamte Weltwirtschaft und auch die größte deutsche Fluggesellschaft "in einen bislang ungekannten Ausnahmezustand versetzt", erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag. "Je länger diese Krise andauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Zukunft der Luftfahrt ohne staatliche Hilfe nicht gewährleistet werden kann."

Aktuell könne noch niemand absehen, welche Folgen sich aus der Coronakrise ergeben, sagte Spohr anlässlich der Vorstellung der Jahreszahlen für 2019. Angesichts der massiven Auswirkungen rücke die Veröffentlichung der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr, in dem die Lufthansa nach einem Gewinn von 2,2 Milliarden Euro im Vorjahr unter dem Strich ein Konzernergebnis von 1,2  Milliarden Euro verzeichnete, "leider in den Hintergrund".

Der derzeitigen Situation müsse der Konzern nun "mit drastischen und zum Teil schmerzhaften Maßnahmen begegnen", kündigte Spohr an. So stellt die Lufthansa etwa den Langstreckenbetrieb in München ein und wird vorerst nur noch Langstreckenflüge ab Frankfurt anbieten. Rund 700 der 763 Flugzeuge der Lufthansa Group werden vorübergehend geparkt.

"Gleichzeitig müssen wir der besonderen Verantwortung gerecht werden, die Fluggesellschaften in ihren Heimatländern tragen", betonte Spohr. Der Konzern unternehme alles, "um mit Rückkehrerflügen so viele Passagiere wie möglich nach Hause zu bringen".

Die Airlines der Lufthansa bieten nach Unternehmensangaben in diesen Tagen rund 140 Sonderflüge an. Mehr als 20.000 Passagiere sollen so mit Lufthansa, Eurowings, Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines und Edelweiss nach Hause fliegen können. "Und wir helfen nach Kräften mit, dass Lieferketten für viele tausend Betriebe nicht abreißen, indem wir zusätzliche Kapazitäten für Luftfrachttransporte mobilisieren", fügte Spohr hinzu.

Lufthansa Cargo halte "die gesamte Frachterflotte in der Luft" und fliege mit Ausnahme von Festlandchina "weiterhin ihr reguläres Programm", erklärte der Konzern. Die Frachterflotte besteht demnach aktuell aus sieben Boeing 777F, sechs MD11F sowie vier 777F von Aerologic. Aktuell werde darüber hinaus geprüft, Passagierflugzeuge ohne Passagiere als reine Frachtflugzeuge einzusetzen, um die Frachtkapazität weiter zu erhöhen.


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