18.03.2020, 15:09 Uhr

Den Haag (AFP) Eurovision Song Contest fällt wegen Coronavirus-Pandemie aus

Veranstalter: Gesundheit von Künstlern, Mitarbeitern und Fans steht im Mittelpunkt

Die Coronavirus-Pandemie trifft auch den Eurovision Song Contest: Um einer weiteren Ausbreitung des neuartigen Erregers vorzubeugen, sagte die Europäische Rundfunkunion (EBU) als Organisator das ESC-Finale, das am 16. Mai in Rotterdam stattfinden sollte, am Mittwoch ab. Die Niederlande sind Gastgeber des Gesangswettbewerbs, weil im vergangenen Jahr der niederländische Sänger Duncan Laurence gewonnen hatte. Für Deutschland sollte in diesem Jahr der 22-jährige Ben Dolic antreten.

Neben dem Finale am 16. Mai fallen auch die beiden Halbfinale am 12. und 14. Mai aus. "Mit großem Bedauern müssen wir die Absage des Eurovision Song Contest in Rotterdam bekanntgeben", erklärten die Veranstalter. In den vergangenen Wochen seien "viele alternative Optionen" geprüft worden, um den ESC trotz der Corona-Krise zu ermöglichen.

"Aufgrund der Unsicherheit, die durch die Verbreitung von Covid-19 in ganz Europa entsteht, und der von den Regierungen der teilnehmenden Rundfunkanstalten und der niederländischen Behörden auferlegten Beschränkungen" habe die EBU schließlich aber "die schwierige Entscheidung" getroffen, den Gesangswettbewerb abzusagen. Im Mittelpunkt der Entscheidung habe die Gesundheit der betroffenen Künstler, Mitarbeiter, Fans und Zuschauer gestanden, hieß es weiter.

Die Veranstalter hoben hervor, dass der ESC seit seiner Gründung 1956 jedes Jahr vor Publikum stattgefunden habe. "Wir sind sehr stolz auf den Eurovision Song Contest, der seit 64 Jahren die Menschen in ganz Europa vereint", erklärte ESC-Chef Jon Ola Sand. "Und wir sind zutiefst enttäuscht über diese Situation." Gemeinsam mit ihren Partnern werde die EBU prüfen, ob es möglich sein werde, den ESC im kommenden Jahr in Rotterdam stattfinden zu lassen.

Als deutscher Beitrag beim ESC hatte sich im Auswahlverfahren des Norddeutschen Rundfunks (NDR) Ende Februar der 22-jährige Wahlberliner Ben Dolic durchgesetzt. Der gebürtige Slowene war bereits 2016 in seinem Heimatland beim ESC-Vorentscheid angetreten. In Berlin lebt er erst seit Anfang des Jahres. Bei der Aufzeichnung der Sendung "Unser Lied für Rotterdam" im NDR Ende Februar hatte Dolic gesagt, es sei immer sein "Traum" gewesen, einmal beim ESC anzutreten.

Die ARD, in der das Finale am 16. Mai übertragen worden wäre, habe mit der Absage gerechnet und sie "befürchtet", erklärte der für das Unterhaltungsprogramm verantwortliche ARD-Koordinator Thomas Schreiber. Die Absage sei die "einzig richtige Entscheidung" gewesen.

"So enttäuschend es für alle Beteiligten, für alle Künstlerinnen und Künstler und alle Zuschauerinnen und Zuschauer in Europa und Australien ist, so gilt doch auch für den ESC: Die Gesundheit aller muss oberstes Ziel sein", betonte Schreiber. Er habe "uneingeschränktes Vertrauen, dass alle Verantwortlichen mit Hochdruck an der bestmöglichen Lösung für den ESC 2021 arbeiten".

Was die Absage des diesjährigen ESC "im Detail für uns und unseren Künstler Ben Dolic mit seinem erfolgreichen Song 'Violent Thing'" bedeute, werde die ARD mit ihren "kreativen Partnern" besprechen, erklärte Schreiber weiter. Die ARD will nach eigenen Angaben "zeitnah" entscheiden, was anstelle des ESC-Finales am 16. Mai im Hauptabendprogramm gezeigt wird.

Schreiber hatte Dolic nach dessen Sieg beim Vorentscheid in Hamburg als "Ausnahmetalent" gewürdigt. Dolics Stimme sei "glasklar und gefühlvoll". Der junge Künstler arbeite seit Jahren hart an sich und habe einen hohen künstlerischen Anspruch.

In den vergangenen Jahren war die deutsche Bilanz beim ESC wechselhaft. 2019 wurde das deutsche Duo S!sters mit dem Song "Sister" beim ESC-Finale in Tel Aviv nur Vorletzter. Für den letzten Lichtblick aus deutscher Sicht sorgte 2018 Michael Schulte, der mit "You let me walk alone" im Finale von Lissabon Platz vier belegte.


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