18.03.2020, 14:13 Uhr

Brüssel (AFP) Ausgangssperre wegen Coronavirus-Pandemie in Belgien in Kraft

Schwerkranke aus dem Elsass ausgeflogen - London plant Sondergesetze

Nach Italien, Spanien und Frankreich hat nun auch Belgien eine Ausgangssperre wegen des Coronavirus verhängt: Seit Mittwoch dürfen die Belgier nur noch zum Einkaufen, zum Arzt oder zur Arbeit gehen - und müssen dabei einen Mindestabstand einhalten. In Spanien, wo bereits eine strikte Ausgangssperre gilt, steigen die Fallzahlen trotzdem weiter stark an. In Tschechien gilt ab Donnerstag eine Mundschutz-Pflicht. Großbritannien plant weitreichende Sondergesetze.

Öffentliche Verkehrsmittel verkehren in Belgien weiterhin. Doch auch in Bussen und Bahnen müssen die "Regeln der sozialen Distanz" eingehalten werden, wie Regierungschefin Sophie Wilmès sagte. Der Weg zur Arbeit bleibt erlaubt, allerdings nur wenn ein Arbeiten von zu Hause aus nicht möglich ist. Auch sportliche Aktivitäten an der frischen Luft sind weiterhin erlaubt und sogar empfohlen - solange Distanz gewahrt wird.

Die belgische Polizei soll Ausgangssperre und Abstandsregeln durchsetzen. Geschäfte und Arbeitgeber müssen in ihren Räumlichkeiten selbst dafür sorgen - andernfalls drohen Bußgelder und Zwangsschließungen. Für Supermärkte gilt: Ein Kunde pro zehn Quadratmeter Ladenfläche. Vielerorts bildeten sich deshalb lange Schlangen am Eingang.

Anders als in Frankreich, wo ebenfalls seit Dienstag eine Ausgangssperre gilt, müssen die Menschen in Belgien gegenüber den Sicherheitskräften ihren Aufenthalt auf der Straße nicht schriftlich begründen. "Wir werden zunächst freundlich fragen", kündigte der Polizeichef der Stadt Namur, Oliver Libois, im Fernsehsender RTBF an. "Und wenn es nicht darum geht, Essen zu kaufen oder zur Arbeit zu gehen, schicken wir die Leute nach Hause".

In Spanien steigt die Zahl der Infizierten trotz der Ausgangssperre weiter an: Seit Dienstag wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums mehr als 2500 neue Infektionen registriert. Die Gesamtzahl der Infektionsfälle liegt damit bei 13.716. 598 Menschen starben an der Lungenkrankheit Covid-19, die durch das neuartige Coronavirus ausgelöst wird.

In Tschechien dürfen die Menschen ab Donnerstag nur noch mit Mundschutz in die Öffentlichkeit. Nur wer Nase und Mund bedeckt, darf nach Angaben der Regierung dann noch ins Freie. Russland schloss am Mittwoch seine Grenzen. Bis zum 1. Mai dürfen nur noch Ausländer einreisen, die einen ständigen Wohnsitz in Russland haben.

Die britische Regierung plant weitreichende Sondergesetze im Kampf gegen das Coronavirus. Vorgesehen ist unter anderem, dass Polizisten künftig Menschen wegen des Verdachts auf eine Coronavirus-Infektion festnehmen und zum Test zwingen können. Zudem soll es möglich sein, frühere Mitarbeiter im Gesundheitsdienst oder Sozialarbeiter aus dem Ruhestand zurückzurufen.

Laut der "Times" sollen die Sondergesetze ohne Parlamentsabstimmung verabschiedet werden und kommende Woche in Kraft treten. Die britische Regierung war wegen ihrer lange Zeit zögerlichen Reaktion auf die Corona-Pandemie kritisiert worden. Am Montag riet sie den Bürgern schließlich zur häuslichen Isolation, zu Heimarbeit und zum Verzicht auf Großveranstaltungen.

Die französische Armee flog erstmals Coronavirus-Patienten aus dem Risikogebiet im Elsass aus. Die sechs ersten Infizierten wurden am Mittwoch mit einem Militärflugzeug in die Mittelmeerstädte Toulon und Marseille gebracht. Damit sollten Kliniken in Mülhausen und Colmar entlastet werden. Das Gebiet grenzt an Baden-Württemberg und die Schweiz.

Die französische Region Grand-Est hatte zuvor Alarm geschlagen, weil die Krankenhäuser vor allem im Gebiet von Mülhausen überlastet sind. Das Robert-Koch-Institut stuft die gesamte Region Grand-Est als Risikogebiet ein. Dort wurden zuletzt 1820 Infizierte und 61 Todesfälle gezählt. Sie ist damit eine der am stärksten betroffenen in Frankreich.

Weltweit haben sich laut einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP mittlerweile mehr als 200.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Mehr als 8000 Menschen starben, darunter mehr als 3400 in Europa. Damit starben inzwischen mehr Menschen in Europa als in Asien, wo die Pandemie in China ihren Ausgang nahm und insgesamt gut 3380 Todesfälle registriert wurden.


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