18.03.2020, 15:17 Uhr

Berlin (AFP) Rückholaktion für gestrandete Urlauber angelaufen

Merkel hält am Abend Fernsehansprache.
Quelle: POOL/AFP/Archiv/John MACDOUGALL (Foto: POOL/AFP/Archiv/John MACDOUGALL)Merkel hält am Abend Fernsehansprache. Quelle: POOL/AFP/Archiv/John MACDOUGALL (Foto: POOL/AFP/Archiv/John MACDOUGALL)

Merkel hält wegen Corona-Krise Fernsehansprache

Die Rückholaktion für deutsche Urlauber, die wegen der Corona-Epidemie gestrandet sind, ist angelaufen: Im Laufe des Tages sollten 30 Maschinen in der Luft sein, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin. Allein aus Ägypten sollten am Abend 4000 Touristen zurückfliegen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sich am Mittwochabend mit einer Fernsehansprache an die Bevölkerung wenden.

Das Auswärtige Amt sprach auf Twitter mit Blick auf die Urlauber von der "größten Rückholaktion aller Zeiten". Nach Angaben der Sprecherin sollten aus der Dominikanischen Republik 1500 Rückkehrer zurückgeflogenen werden und 1900 aus Marokko. Soweit Plätze zur Verfügung stehen, würden auch gestrandete Urlauber, die aus anderen europäischen Ländern stammten, mitgenommen.

Merkel will sich in ihrer Ansprache, die nach den Hauptnachrichtensendungen am Abend ausgestrahlt werden soll, nach Angaben eines Regierungssprechers nicht zu neuen Maßnahmen gegen das Coronavirus äußern. "Es geht um das, was in Deutschland jetzt zu tun ist, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und wie jeder sich daran beteiligen soll", sagte der Sprecher. Er trat damit Spekulationen entgegen, Merkel könnte weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens bis hin zu einer Ausgangssperre verkünden.

Es ist ungewöhnlich, dass sich die Bundeskanzlerin in einer Fernsehansprache direkt an die Bevölkerung wendet. Normalerweise geschieht das nur an Silvester.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) ließ sich unterdessen wegen Erkältungssymptomen auf das neuartige Coronavirus testen. "Heute mache auch ich Homeoffice, nachdem ich mit einer heftigen Erkältung aufgewacht bin", schrieb der Vizekanzler auf Twitter. Nach Angaben eines Ministeriumssprechers soll am Donnerstag das Ergebnis des Tests vorliegen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnte wegen der Corona-Pandemie vor einer Welle von Insolvenzen bei sozialen Einrichtungen. So dürften etwa Werkstätten für Menschen mit Behinderung nicht mehr arbeiten, erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider. Er forderte sofortige und umfassende Finanzhilfen.

Wegen der Corona-Krise stellte die Bundesregierung die Aufnahme von Schutzsuchenden vor allem aus Syrien im Rahmen der laufenden Resettlement-Programme vorerst ein. "Wir haben die faktischen Möglichkeiten dafür im Moment nicht", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums dazu. Eine entsprechende Anweisung sei am Dienstag an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ergangen.

Von dem am Dienstag verhängten Einreisestopp in die EU sind allerdings Asylbewerber ausgenommen, wie der Ministeriumssprecher sagte. Politisches Asyl gehöre zu den sogenannten Ausnahmetatbeständen.

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen in Deutschland liegt inzwischen bei über 10.000. Nach Angaben der in der US-Stadt Baltimore ansässigen Johns-Hopkins-Universität erhöhte sich die Zahl der registrierten Infizierten in Deutschland bis Mittwochmittag auf 10.069. Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts könnte sich die Zahl auf bis zu zehn Millionen im Mai oder Juni erhöhen, falls die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie nicht eingehalten werden.


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