18.03.2020, 11:01 Uhr

Washington (AFP) Trump ruft zur nationalen Einheit im Kampf gegen Corona-Pandemie auf

US-Präsident lobt neues Klima der Überparteilichkeit

Nach scharfer Kritik an seinem zögerlichen Umgang mit der Coronavirus-Pandemie hat US-Präsident Donald Trump jetzt zu einer national abgestimmten Reaktion im Kampf gegen das Virus aufgerufen. "Wir wollen so viele Leben wie möglich retten", sagte Trump am Dienstag (Ortszeit) in Washington. "Alles andere wird wiederkommen, aber ein Leben wird nicht wiederkommen." Immer mehr Bundesstaaten und Städte in den USA beschließen unterdessen drastische Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Trump überraschte bei seinem Auftritt im Weißen Haus durch seinen nüchternen Ton. Zuvor war ihm lange vorgeworfen worden, die Gesundheitskrise aus Sorge vor den Auswirkungen auf die Märkte zu verharmlosen und es den einzelnen Bundesstaaten zu überlassen, wie sie damit umgehen.

Inzwischen sind alle 50 Bundesstaaten von dem Virus betroffen. Laut der Johns Hopkins Universität gibt es in den USA mehr als 6400 bestätigte Infektionsfälle. Eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP kam auf mindestens 100 Tote.

Die tatsächliche Zahl der Infektionen dürfte allerdings deutlich höher liegen: In den USA waren Tests zunächst Mangelware, zudem sind sie für die häufig nicht krankenversicherten Bürger kaum erschwinglich. Nachdem zunächst der nordwestliche Bundesstaat Washington am schwersten betroffen war, ist es nun der östliche Bundesstaat New York mit knapp 1400 Fällen.

Trump kritisierte in seiner Ansprache die Bundesstaaten, die sich nicht strikt an die neuen Vorgaben der sozialen Distanz hielten. Er lobte dagegen die demokratischen Gouverneure von New York und Kalifornien, mit denen er in der Vergangenheit wiederholt aneinander geraten war. Trump verwies sogar auf ein verbessertes Klima der Überparteilichkeit: "Es ist großartig zu sehen, dass wir mit den Demokraten zurechtkommen, dass wir mit den Republikanern zurechtkommen." Es gebe nun eine Stimmung, wie er sie "seit fast dreieinhalb Jahren nicht erlebt habe".

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte am Montag neue Richtlinien für die kommenden zwei Wochen veröffentlicht. Darin wird von Versammlungen mit mehr als zehn Teilnehmern sowie dem Besuch öffentlicher Orte wie Restaurants und Fitnessstudios abgeraten. Zuvor hatten mehrere Politiker wie Oklahomas republikanischer Gouverneur Kevin Stitt noch erklärt, die Menschen könnten ihrem alltäglichen Leben wie gewohnt nachgehen.

Deborah Birx von der Taskforce zur Pandemie-Bekämpfung forderte alle Bürgermeister und Gouverneure auf, die Richtlinien der Regierung in Washington zu befolgen. Wie Anthony Fauci von der US-Gesundheitsbehörde NHI sagte, will die Taskforce zudem prüfen, ob in den kommenden zwei Wochen noch drakonischere Maßnahmen nötig seien.

Mehrere Bundesstaaten und Städte versuchen bereits, die Pandemie mit Quarantäne-Maßnahmen einzudämmen. In New York, wo bereits alle Schulen, Restaurants und Bars geschlossen sind, erwägt Bürgermeister Bill de Blasio mittlerweile auch eine Ausgangssperre. Die 8,6 Millionen New Yorker müssten sich auf diese Möglichkeit vorbereiten, sagte er am Dienstag. Mit einer Entscheidung sei in den kommenden 48 Stunden zu rechnen.

Am Freitag hatte bereits San Francisco eine Ausgangssperre verhängt. Die Einwohner der Westküstenmetropole dürfen nur noch das Haus verlassen, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Im Bundesstaat New Jersey gelten seit Montag Reisebeschränkungen. Reisen, die nicht absolut notwendig sind, sollen von 20.00 Uhr bis 05.00 Uhr unterbleiben. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom warnte am Dienstag, dass die meisten oder sogar alle Schulen in dem Westküstenstaat bis zu den Sommerferien geschlossen bleiben könnten.

Die Trump-Regierung bereitet unterdessen ein massives Nothilfepaket für US-Bürger und Unternehmen vor. Die Hilfen könnten dem Finanzministerium zufolge die Marke von einer Billion Dollar überschreiten. Zusätzlich sind Steuerstundungen denkbar. Die US-Notenbank Fed kündigte Liquiditätszuschüsse und neue Kreditoptionen an.


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