16.03.2020, 08:50 Uhr

Berlin (AFP) Steinmeier: In Coronakrise "so viele Leben retten wie irgend möglich"

Bundespräsident Steinmeier.
Quelle: AFP/JENS SCHLUETER (Foto: AFP/JENS SCHLUETER)Bundespräsident Steinmeier. Quelle: AFP/JENS SCHLUETER (Foto: AFP/JENS SCHLUETER)

Bundespräsident für "drastische Einschnitte" zum Schutz der Schwächeren

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in einem eindringlichen Appell zur Coronakrise die immer einschneidenderen Schutzmaßnahmen verteidigt. Ziel sei, dass "wir so viele Leben retten wie möglich", sagte Steinmeier am Montag dem Portal t-online.de. Es sei jetzt die wichtigste Aufgabe, "die weitere Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit unser Gesundheitssystem die rasch steigende Last der Neuansteckungen bewältigen kann".

"Wir werden das Virus besiegen", zeigte sich Steinmeier zuversichtlich. "Aber in was für einer Gesellschaft wir danach leben werden, und in was für einer Welt, das hängt davon ab, wie wir heute handeln", hob er hervor. "Was wir heute tun, dient vor allem dem Schutz der Älteren und der Schwächeren unter uns."

"Drastische und sofortige Einschnitte in unser tägliches Leben, unseren Berufsalltag sind dafür notwendig", mahnte der Bundespräsident. Dazu gehöre, "auf alte Gewohnheiten wie Umarmungen, den Begrüßungskuss, das Händeschütteln" eine Zeitlang zu verzichten.

Der Bundespräsident forderte vor allem diejenigen auf, die jetzt sagten: "Warum das alles? Ich bin jung und stark, mich trifft das nicht", zu bedenken, dass es in dieser Lage "um mehr geht als persönliche Betroffenheit". Selbstbeschränkung könne das Leben anderer Menschen retten.

Steinmeier rief auch dazu auf, "unsere Wirtschaft über diesen dramatischen Einschnitt hinwegzubringen", von dem "noch keiner sagen kann, wie lange er dauert". Besonders wichtig sei dabei, dass "wir auch den kleineren Gewerbetreibenden und Freiberuflern, den Dienstleistern und Kulturschaffenden helfen, die nächsten Monate zu überstehen". Die Coronakrise dürfe "keine Existenzkrise für Unternehmen werden", das Virus dürfe "nicht auch noch den Arbeitsmarkt infizieren".

Der Bundespräsident verteidigte auch das Vorgehen der Politik in Reaktion auf die Krise. Sein Eindruck sei, "dass Bundes- und Landesregierungen entschlossen und gezielt handeln, um die Ausbreitung zu verlangsamen und gleichzeitig die Vorbereitungen voranzutreiben", sagte Steinmeier. Alles, was diesen Zielen diene, müsse "ernsthaft und ohne Denkverbote geprüft und dann rasch und konsequent umgesetzt werden".

Der Bundespräsident mahnte darüber hinaus eine europäische Solidarität an. Aufgabe sei es, "Europa zusammenzuhalten", sagte Steinmeier. "Klar ist doch, dass das Virus nur gemeinsam besiegt werden kann." Temporäre Schließungen einzelner Grenzen könnten sinnvoll und notwendig sein. Aber grundsätzlich gelte: "Viren haben keine Staatsangehörigkeit. Wer jetzt nur an sich denkt, wer die Ursachen der Epidemie bei anderen sucht, geht einen hochgefährlichen Weg, der ebenso unwirksam wie schädlich ist."

Deutschland schloss am Montagmorgen teilweise die Grenzen zu seinen Nachbarländern Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Österreich und der Schweiz.

Steinmeier mahnte, nicht alle europäischen Partner verfügten über die Mittel und Möglichkeiten wie Deutschland. "In Notzeiten wie diesen gibt es deshalb auch ein Gebot europäischer Solidarität", sagte der Bundespräsident. "Wenn uns das gelingt, dann schöpfen wir vielleicht sogar neue Kraft aus der Erfahrung, dass uns Zusammenhalt stark macht – im eigenen Land ebenso wie in Europa."


0 Kommentare