27.02.2020, 16:08 Uhr

Hamburg (AFP) Ben Dolic startet in diesem Jahr für Deutschland beim Eurovision Song Contest

22-jähriger Wahlberliner aus Slowenien sich in NDR-Auswahlverfahren durch

Nach dem enttäuschenden deutschen Abschneiden beim Eurovision Song Contest (ESC) 2019 soll es mit dem Sänger Ben Dolic in diesem Jahr wieder aufwärts gehen: Der 22-jährige gebürtige Slowene, der 2018 in der Castingshow "The Voice of Germany" den zweiten Platz belegt hatte, setzte sich im Auswahlverfahren des Norddeutschen Rundfunks (NDR) durch, wie der Sender am Donnerstag in Hamburg bekanntgab. Zwei Jurys wählten ihn und das maßgeschneiderte ESC-Lied "Violent Thing" aus zahlreichen Künstlern und Beiträgen aus.

In den vergangenen Jahren war das Auswahlverfahren für den nationalen deutschen Beitrag nach schlechten Ergebnissen im ESC-Finale immer wieder verändert worden. Diesmal gab es daher keine Vorentscheidung mit Publikumsbeteiligung mehr. Das ESC-Finale läuft am 16. Mai in Rotterdam, Deutschland ist gesetzt.

Die Teilnahme am ESC "war immer mein Traum", sagte Dolic bei der Aufzeichnung der Sendung "Unser Lied für Rotterdam" in Hamburg, die am Donnerstagabend ab 21.30 Uhr im ARD-Spartensender ONE und im ARD-Stream ausgestrahlt werden sollte. Dann können sich auch die ESC-Fans einen Eindruck von dem stimmgewaltigen jungen Sänger und seinem charttauglichen, tanzbaren Wettbewerbsbeitrag machen. Moderiert wird die Sendung von Barbara Schöneberger.

Dolic stammt aus Sloweniens Hauptstadt Ljubljana, stand im Alter von zwölf Jahren bereits bei der slowenischen Version von "Das Supertalent" auf der Bühne und kam ins Halbfinale. Als Mitglied der Gruppe "D Base" nahm er 2016 am slowenischen ESC-Vorentscheid teil. Mit 18 Jahren zog Dolic mit seiner Familie in die Schweiz, seit Anfang des Jahres lebt er in Berlin. Für die ESC-Teilnahme musste er nun in einem mehrstufigen Prozess zwei Jurys überzeugen.

Eine Jury bestand dabei aus 20 Musikprofis mit ausgewiesener ESC-Erfahrung, die andere aus 100 von der ARD ausgewählten normalen ESC-Fans, die vorab ihre Treffsicherheit in der Einschätzung von Beiträgen beweisen musste. Im vergangenen Jahr war die Entscheidung noch in einem Verfahren gefallen, bei dem Jurys und Fernsehzuschauer während einer Liveshow im Fernsehen direkt nach den Auftritten über Bewerbern abstimmten.

Diesmal suchten die Jurys den deutschen Teilnehmer und den für ihn passenden Beitrag unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem monatelangen Verfahren aus zahlreichen Künstlern aus. Es gab mehrere Runden, in denen das Bewerberfeld immer weiter verkleinert wurde, auch Songschreibwettbewerbe wurden laut ARD eigens veranstaltet. Die Entscheidung stand intern im Dezember fest, wurde dann allerdings bis Donnerstag noch geheimgehalten.

Er habe nicht damit gerechnet zu gewinnen, sagte Dolic am Donnerstag. "Es war eine große Überraschung." ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber bezeichnete den Sänger als "Ausnahmetalent". Er arbeite "seit Jahren hart an sich und habe einen hohen künstlerischen Anspruch". Seine Stimme sei "glasklar und gefühlvoll" und habe die Jurys "völlig zu recht" überzeugt, teilte Schreiber nach der Aufzeichnung mit.

Die Verantwortlichen erhoffen sich von dem geänderten Auswahlerfahren bessere Chancen für den deutschen Starter. 2019 wurde das deutsche Duo S!sters mit dem Song "Sister" beim ESC-Finale in Tel Aviv nur Vorletzter. Auch davor war die deutsche Bilanz bei dem Wettbewerb wechselhaft. Für den letzten Lichtblick aus deutscher Sicht sorgte 2018 Michael Schulte, der mit "You let me walk alone" im Finale von Lissabon Platz vier belegte.

Auch Schulte zeigte sich am Donnerstag überzeugt von den Wettbewerbschancen von Dolic. "Wir haben hier einen unfassbar guten Sänger", sagte er mit Blick auf seinen Nachfolger. Das ESC-Finale findet in diesem Jahr in der niederländischen Hafenstadt Rotterdam statt, weil der Niederländer Duncan Laurence den letztjährigen ESC gewann. Vor dem Finale am 16. Mai werden zwei Halbfinals am 12. und 14. Mai veranstaltet.


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