25.02.2020, 22:29 Uhr

Stuttgart (AFP) Erste Coronavirus-Fälle in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen

Infizierter aus Göppingen war in Italien - Mann in NRW in kritischem Zustand

Das neuartige Coronavirus ist nun erstmals auch in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen aufgetreten. Wie das Sozialministerium in Stuttgart am Dienstagabend mitteilte, wurde das Virus bei einem 25-jährigen Mann aus dem Landkreis Göppingen bestätigt, der sich vermutlich während einer Italienreise in Mailand angesteckt hat. In Nordrhein-Westfalen ist der infizierte Mann aus der Region Selfkant im kritischen Zustand, wie der zuständige Landrat dem WDR sagte.

Der 25-Jährige in Baden-Württemberg zeigte nach Angaben des Landesministeriums nach seiner Rückkehr aus Italien grippeähnliche Symptome und nahm daraufhin Kontakt mit dem örtlichen Gesundheitsamt auf. Ein Test auf das neuartige Coronavirus sei am Dienstagabend positiv ausgefallen. Der Patient sollte deshalb den Angaben zufolge noch am Abend in eine Klinik eingeliefert und dort isoliert von den übrigen Patienten untergebracht und behandelt werden.

Zeitgleich versuchten die Behörden alle Kontaktpersonen des Mannes zu ermitteln. Als Schutzmaßnahmen würden enge Kontaktpersonen häuslich abgesondert und täglich nach ihrem Gesundheitszustand befragt, beschrieb das Ministerium das weitere Vorgehen. Sobald eine Kontaktperson Symptome entwickele, werde sie ebenfalls in einem Krankenhaus isoliert.

In Nordrhein-Westfalen bestätigte der Landrat des Kreises Heinsberg, Stephan Pusch, den ersten Infektionsfall. Ein Ehepaar aus der Region Selfkant sei zunächst in einem Krankenhaus in Erkelenz mit Verdacht auf eine Lungeninfektion behandelt worden, sagte Pusch im WDR. Bei dem Mann sei das Virus nachgewiesen worden. Sein Zustand sei kritisch, er werde künstlich beatmet. Nach WDR-Informationen sollten der Mann und seine Frau in der Nacht in die Uniklinik Düsseldorf transportiert werden.

Das Ehepaar ist dem Landrat zufolge Anfang 50 und aus beruflichen Gründen viel unterwegs. Als Vorsorgemaßnahme sollen Kindertagesstätten und Schulen im Kreis Heinsberg vorerst geschlossen bleiben.

In Deutschland gab es zuvor 16 bestätigte Coronavirus-Infektionen, die meisten Patienten wurden inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen. 14 der Fälle traten in Bayern auf, von den dortigen Betroffenen ist noch einer in der Klinik. Die anderen beiden Fälle waren China-Rückkehrer, die von der Bundesregierung mit einem Flugzeug aus der Volksrepublik ausgeflogen worden waren. Sie wurden in der Uniklinik in Frankfurt am Main behandelt und Mitte Februar entlassen.

Italien, wo sich der 25-Jährige aus Baden-Württemberg vermutlich ansteckte, kämpft gegenwärtig gegen den größten Infektionsherd in Europa. Bis Dienstag wurden 322 Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus registriert, zehn Infizierte starben. Die meisten Infektionen wurden bislang in der nördlichen Region Lombardei verzeichnet. Am Dienstag breitete sich das Virus nach Behördenangaben weiter bis in die Toskana, nach Sizilien und Ligurien aus.

Trotz dieser Entwicklung beschlossen mehrere europäische Gesundheitsminister bei einem Krisentreffen in Rom, die Grenzen zu Italien vorerst offen zu lassen. Dies teilte der italienische Innenminister Roberto Speranza nach dem Gespräch mit seinen Kollegen aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Kroatien und der Schweiz in Rom mit. Eine Schließung der Grenzen "wäre ein Fehler und unverhältnismäßig".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte nach dem Treffen: "Wir nehmen die Situation sehr, sehr ernst." Bei den nun in Europa aufgetretenen Fällen sei "nicht mehr jede Infektionskette nachvollziehbar". "Das heißt, wir haben eine neue Lage, mit der wir umgehen müssen", sagte Spahn weiter. Als er sich in Rom äußerte, waren die neuen Infektionsfälle in Deutschland offiziell noch nicht bekannt.


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