24.02.2020, 11:06 Uhr

Brüssel (AFP) Bislang keine Grenzkontrollen im Schengenraum wegen Coronavirus geplant

Katastrophenschutzkommissar Lenarcic und Gesundheitskommissarin Kyriakides.
Quelle: AFP/Kenzo TRIBOUILLARD (Foto: AFP/Kenzo TRIBOUILLARD)Katastrophenschutzkommissar Lenarcic und Gesundheitskommissarin Kyriakides. Quelle: AFP/Kenzo TRIBOUILLARD (Foto: AFP/Kenzo TRIBOUILLARD)

EU-Kommission begrüßt Italiens Maßnahmen gegen Krankheit

Bislang plant kein Land des Schengenraums die Wiedereinführung von systematischen Grenzkontrollen zum Schutz gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus. Die EU-Kommission sei von keinem Mitgliedstaat über derartige Schritte informiert worden, sagte ein Sprecher der Brüsseler Behörde am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Der für Krisenkoordination zuständige EU-Kommissar Janez Lenarcic rief die Regierungen zu enger Zusammenarbeit auf.

Das Vorgehen Italiens zur Eindämmung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus begrüßte Lenarcic. Die italienische Regierung habe schnell gehandelt und "wirksame Strukturen, um in gut abgestimmter Weise auf diesen Ausbruch zu reagieren", sagte der Slowene. Er kündigte die Freigabe von 232 Millionen Euro an EU-Mitteln an, um den weltweiten Kampf gegen das Virus zu verstärken.

Im Schengenraum aus insgesamt 26 Staaten ist Reisen ohne Kontrollen der Normalfall. Lenarcic sagte mit Blick auf die mögliche vorübergehende Einführung von Grenzkontrollen zur Eindämmung der Krankheit, dies liege in der Kompetenz der einzelnen Mitgliedstaaten. Er forderte die Regierungen aber auf, alle Entscheidungen zum Kampf gegen das Virus auf Grundlage "einer glaubwürdigen Risikobewertung" zu treffen sowie verhältnismäßig und abgestimmt zu handeln.

Nach Angaben von EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides stimmte die Regierung in Rom einer Mission von Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zu. Diese solle am Dienstag in Italien eintreffen. "Wir müssen diese Situation ernst nehmen", sagte Kyriakides. Die EU-Bürger sollten aber "nicht in Panik verfallen" und auf Desinformationen über die Krankheit hereinfallen.

Italien hatte sich zuletzt zum größten Herd des neuartigen Virus in Europa entwickelt. 165 Ansteckungsfälle wurden dort inzwischen nachgewiesen, mindestens vier mit dem Virus infizierte Patienten starben.

Die italienischen Behörden hatten am Wochenende drakonische Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ergriffen. Elf Städte im Norden wurden abgeriegelt, 52.000 Menschen stehen praktisch unter Quarantäne. Der berühmte Karneval von Venedig wurde vorzeitig abgebrochen.

Österreich hatte am Sonntagabend zwei EC-Züge aus Italien an der Grenze gestoppt. Grund waren zwei Frauen an Bord eines Zuges, die durch Fiebersymptome und starken Husten aufgefallen waren. Der Vorfall stellte sich aber als Fehlalarm heraus.


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