23.02.2020, 15:53 Uhr

Rom (AFP) Karneval von Venedig wegen Coronavirus vorzeitig abgebrochen

Teilnehmerin am Karneval von Venedig.
Quelle: AFP/Archiv/Alberto PIZZOLI (Foto: AFP/Archiv/Alberto PIZZOLI)Teilnehmerin am Karneval von Venedig. Quelle: AFP/Archiv/Alberto PIZZOLI (Foto: AFP/Archiv/Alberto PIZZOLI)

Mehr als 132 Infektionen in Italien nachgewiesen

Wegen der Verbreitung des neuartigen Coronavirus in Norditalien wird der berühmte Karneval von Venedig vorzeitig abgebrochen. Ab Sonntagabend würden sämtliche Veranstaltungen des Karnevals sowie alle Sportveranstaltungen bis zum 1. März abgesagt, sagte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, am Sonntag im Fernsehsender Sky TG24. Der seit zehn Jahren amtierende Regionalpräsident sprach von der "schlimmsten Krise" seiner politischen Karriere.

Der Karneval von Venedig hatte am 8. Februar begonnen und sollte eigentlich noch bis Dienstag dauern. Das Fest hat eine jahrhundertealte Tradition, zum ersten Mal wurde es im Jahr 1162 nach einem militärischen Sieg gefeiert. Das Spektakel mit opulenten Kostümen und phantasievollen Masken zieht Jahr für Jahr zahlreiche Besucher aus dem In- und Ausland an.

Die "drakonischen Maßnahmen" seien nötig, um weitere Probleme zu verhindern, sagte Zaia. In einem weiteren Interview äußerte sich der Regionalpräsident "besorgt" darüber, dass die Ursache des Coronavirus-Ausbruchs in Italien bisher noch unbekannt sei. Labortests an acht Chinesen, die dieselbe Bar besucht hätten wie der erste bekannte Coronavirus-Patient in Italien, seien negativ verlaufen. Dies deute darauf hin, dass sich der Erreger bereits viel weiter ausgebreitet habe als gedacht, sagte Zaia.

Die italienische Regierung hatte am Samstagabend für elf norditalienische Städte Quarantäne-Maßnahmen angeordnet, davon eine in der Region Venetien. Bis Sonntag wurden nach Behördenangaben landesweit 132 Fälle des neuartigen Coronavirus registriert, zwei ältere Menschen starben.

Zentrum der Epidemie ist die 15.000-Einwohner-Stadt Codogno rund 60 Kilometer südlich von Mailand. Dort wurde das Virus offenbar von einem 38-jährigen hochrangigen Mitarbeiter des Verbrauchsgüter-Multis Unilever weiterverbreitet. Der 38-Jährige steckte unter anderem seine im achten Monat schwangere Frau an sowie Fußball-Kameraden und medizinisches Personal.


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