22.02.2020, 14:42 Uhr

Kabul (AFP) Afghanen feiern Beginn von einwöchiger Teil-Waffenruhe


USA und Taliban wollen kommende Woche Abkommen unterzeichnen

In Afghanistan ist in der Nacht zum Samstag die zwischen den USA und den radikalislamischen Taliban verhandelte einwöchige Teil-Waffenruhe in Kraft getreten. In zahlreichen Städten des Landes feierten die Menschen den möglicherweise historischen Wendepunkt in dem seit 18 Jahren andauernden Konflikt. Sollte die vereinbarte "Woche der reduzierten Gewalt" eingehalten werden, ist für den kommenden Samstag die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen den USA und den Taliban geplant, das den Weg zu einem dauerhaften Frieden ebnen könnte.

"Dies ist der erste Morgen, an dem ich aus dem Haus gehe, ohne Angst haben zu müssen, von einer Bombe oder einem Selbstmordattentäter getötet zu werden", sagte der Taxifahrer Habib Ullah in der Hauptstadt Kabul. Er hoffe, dass die Waffenruhe "für immer" halte.

In der südlichen Großstadt Kandahar - einer Hochburg der radikalislamischen Taliban - sowie im östlichen Dschalalabad versammelten sich in der Nacht zum Samstag dutzende Menschen, um den Beginn der Waffenruhe mit traditionellen Tänzen zu feiern.

In der nordafghanischen Provinz Balch gab es dagegen bereits kurz nach deren Inkrafttreten einen ersten Verstoß gegen die Waffenruhe. Nach Angaben eines örtlichen Behördenvertreters attackierten zwei Taliban-Kämpfer ein offizielles Gebäude in der Nähe der Provinzhauptstadt Masar-i-Scharif und töteten zwei afghanische Soldaten. Auch aus der zentralafghanischen Provinz Urusgan wurde ein Vorfall gemeldet.

Der Leiter der US- und Nato-Streitkräfte in Afghanistan, der US-General Scott Miller, betonte, die Sicherheitslage werde weiter beobachtet. "Wir haben unsere Offensiveinsätze als Teil unserer Verpflichtungen eingestellt", sagte er vor Journalisten. Sollte es zu Verstößen gegen die vereinbarte Gewalt-Reduzierung kommen, würden die USA mit den Taliban über die Folgen für das geplante Abkommen beraten.

Die USA verhandeln seit mehr als einem Jahr mit den Taliban über das Abkommen, das unter anderem den Abzug von rund der Hälfte der 12.000 bis 13.000 US-Soldaten vorsieht. Im Gegenzug sollen die Taliban Garantien dafür abgeben, dass sie das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekämpfen. Eine Einigung zwischen den USA und den Taliban gilt als wichtiger Vorläufer für direkte Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Islamisten.

Viele Afghanen hoffen, dass das geplante Abkommen zwischen den USA und den Taliban der alltäglichen Gewalt in ihrem Land ein Ende bereitet. Wie die UN-Unterstützungsmission für Afghanistan (Unama) am Samstag mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 3404 Zivilisten getötet und 6989 weitere verletzt.

Die Zahl der zivilen Opfer sei 2019 zwar um fünf Prozent niedriger als im Vorjahr gewesen, dennoch liege sie das sechste Jahr in Folge über 10.000, erklärte Unama-Chef Tadamichi Yamamoto. "Kaum ein Zivilist in Afghanistan ist nicht in irgendeiner Weise von der anhaltenden Gewalt betroffen." Es sei "zwingend erforderlich für alle Parteien, den Moment zu nutzen um die Kämpfe zu stoppen, da Frieden lange überfällig ist", erklärte er.

Der Rückgang der Opferzahl um fünf Prozent wurde mit der nachlassenden Aktivität des Ablegers der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Osten Afghanistans erklärt. Diese war im vergangenen Jahr weitgehend besiegt worden.


0 Kommentare