20.02.2020, 20:18 Uhr

Berlin (AFP) Berlinale-Start von offenbar rassistischem Anschlag in Hanau überschattet

Gedenkminute für die Opfer bei Eröffnungsgala in der Hauptstadt

Überschattet von dem offenbar rassistisch motivierten Anschlag in Hanau hat am Donnerstagabend die Berlinale begonnen. Bei der Eröffnungsgala legten die Gäste gemeinsam mit der Festival-Doppelspitze Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian eine Gedenkminute für die Opfer ein. Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) positionierten sich bei der Gala gegen Rechtsextremismus.

"Die Ereignisse haben uns sehr betroffen gemacht", sagte Berlinale-Geschäftsführerin Rissenbeek. Die Berlinale stehe für Freiheit, Toleranz und Respekt, betonte sie. In Hanau hatte der mutmaßliche Täter am Mittwochabend aus offenbar rassistischen Motiven neun Menschen erschossen. Der Anschlag löste in Deutschland und auch international Entsetzen aus.

"Nie wieder sollten Menschen in Deutschland aufgrund ihrer Hautfarbe um ihr Leben fürchten müssen", sagte Grütters. Sie gab der AfD eine Mitschuld an rassistischen Gewalttaten und erhielt minutenlangen Applaus für ihre Aussage, niemals dürfe es eine Zusammenarbeit "mit diesen rassistischen und völkischen Kräften geben - nirgendwo". Diesem Standpunkt schloss sich Müller an. Beide Politiker begrüßten auch das Bemühen der Berlinale-Leitung, mutmaßliche NS-Verstrickungen ihres ersten Leiters Alfred Bauer aufzuarbeiten.

Im Vorfeld der Berlinale-Eröffnung hatte auch der Präsident der internationalen Jury, der britische Schauspieler Jeremy Irons, für Debatten gesorgt: Er wurde als frauenfeindlich und homophob kritisiert. Der 71-Jährige hatte der britischen Zeitung "Guardian" vor mehreren Jahren unter anderem gesagt, er halte es für richtig, dass die katholische Kirche Abtreibungen als Sünde klassifiziere.

Am Donnerstag wies er die Kritik zurück. "Ich unterstütze die weltweite Bewegung für die gleichen Rechte von Frauen", sagte Irons. Er betonte, er unterstütze außerdem "aus vollem Herzen" das Recht von Frauen auf Abtreibung. Außerdem begrüße er die Gesetze zu gleichgeschlechtlichen Eheschließungen. "Diese drei Menschenrechte sind, denke ich, wesentliche Schritte hin zu einer zivilisierten und humanen Gesellschaft", sagte der Schauspieler.

Als Eröffnungsfilm stand am Donnerstagabend bei der Berlinale-Gala die kanadisch-irische Produktion "My Salinger Year" mit der oscarnominierten Schauspielerin Sigourney Weaver auf dem Programm. Weaver, der kanadische Regisseur Philippe Falardeau und die Hauptdarstellerin Margaret Qualley grüßten zuvor auf dem roten Teppich die Fans.

Auch zahlreiche deutsche Filmgrößen zeigten sich: Unter anderem kamen die Schauspieler Iris Berben, Robert Stadlober, Paula Beer, Heike Makatsch, Daniel Brühl und Nina Hoss zur Eröffnungsgala. Im Laufe des Festivals werden außerdem unter anderem die US-mexikanische Schauspielerin Salma Hayek, die frühere US-Außenministerin Hillary Clinton und der spanische Schauspieler Javier Bardem in Berlin erwartet.

Bei der diesjährigen Berlinale konkurrieren 18 Filme um den Goldenen und die Silbernen Bären. Die Preise werden von der internationalen Jury am 29. Februar verliehen. Die Filmfestspiele werden in diesem Jahr von einer neuen Doppelspitze aus dem Italiener Chatrian und der Niederländerin Rissenbeek geleitet, nachdem das Berlinale-Urgestein Dieter Kosslick im vergangenen Jahr die Leitung nach fast 20 Jahren abgegeben hatte.


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