19.02.2020, 15:25 Uhr

Berlin (AFP) Röttgen kritisiert nach Treffen mit AKK Verfahren zur Chefsuche

Der CDU-Politiker Röttgen am Dienstag in Berlin.
Quelle: AFP/Odd ANDERSEN (Foto: AFP/Odd ANDERSEN)Der CDU-Politiker Röttgen am Dienstag in Berlin. Quelle: AFP/Odd ANDERSEN (Foto: AFP/Odd ANDERSEN)

Parteivorsitzende führt weitere Gespräche - Merkel will sich nicht einmischen

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich am Mittwoch mit weiteren Anwärtern für ihre Nachfolge getroffen, um den Führungswechsel in der Partei vorzubereiten. Der Vorsitzkandidat Norbert Röttgen kritisierte nach dem Gespräch das Verfahren als intransparent und mahnte abermals einen Mitgliederentscheid an. Kramp-Karrenbauer sondierte das weitere Vorgehen zudem mit den Aspiranten Jens Spahn und Armin Laschet; Friedrich Merz war bereits am Dienstag bei ihr.

Parallel zur Führungsfrage debattierte die CDU auch über die Verfahrensfrage. Röttgen bekräftigte seine Distanz zum Vorgehen der Parteiführung: "Es bleibt meine Meinung, dass diese Frage nicht im Hinterzimmer zu klären ist." Er sei immer für eine Mitgliederbefragung gewesen, "gerade bei Personalentscheidungen".

Andere CDU-Politiker warnten hingegen vor einem offenen Machtkampf. "Ich bin nicht von einem Mitgliederentscheid überzeugt", sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier der "Passauer Neuen Presse". Er forderte eine einvernehmliche Lösung der Führungsfrage, "denn wir müssen verhindern, dass Personaldebatten die Sacharbeit in den nächsten Wochen und Monaten völlig überlagern".

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) äußerte Unverständnis für den Verfahrensstreit: "Ich kann diese ganze Debatte nicht mehr ertragen, Hinterzimmer, nicht Hinterzimmer", sagte er im Deutschlandfunk. Er verwies auf die schlechten Erfahrungen der SPD. Diese habe "alles im Vorderzimmer gemacht und hat sich über Monate zerfleischt".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte derweil, dass sie sich in die Führungsdebatte ihrer Partei nicht einmischen wolle. "Meine Erfahrung historischer Art ist, dass die Vorgänger sich aus so etwas heraushalten sollten - und das befolge ich", sagte Merkel am Mittwoch in Berlin. "Das heißt nicht, dass ich mit möglichen Kandidaten nicht spreche", fügte sie hinzu. Zudem verwies sie auf frühere Äußerungen, wonach sie bis zum Ende der Legislaturperiode als Kanzlerin im Amt bleiben wolle.

Kramp-Karrenbauer hatte vergangene Woche angekündigt, auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten und auch den Parteivorsitz abgeben zu wollen. Diesen Prozess will sie nach eigenen Worten "von vorne steuern". In der Präsidiumssitzung am kommenden Montag will sie eine Bilanz ihrer vertraulichen Gespräche mit den Nachfolgeanwärtern vorlegen und vielleicht auch schon einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen machen.

Der frühere Bundesumweltminister Röttgen hatte am Dienstag überraschend seine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt. Merz, Laschet und Spahn haben sich noch nicht offiziell erklärt. Merz werde sich "zu gegebener Zeit" zu seinen Pläne äußern, sagte sein Sprecher zu AFP. "Herr Merz stimmt sich nun weiter mit allen Beteiligten ab."

CSU-Chef Markus Söder warnte die Schwesterpartei CDU in der Nachfolgesuche vor einer Kandidatenkür wie bei der SPD. In der CDU begännen gerade "unruhige Zeiten", sagte Söder am Mittwoch bei der Aufzeichnung der ZDF-Sendung "Was nun, Herr Söder?". Die Schwesterpartei müsse aufpassen, nicht in eine Situation zu kommen wie die SPD mit "zig Kandidaten" für die Bewerbung um den Parteivorsitz.


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