16.02.2020, 14:30 Uhr

Peking (AFP) China verzeichnet Rückgang bei Coronavirus-Neuinfektionen - WHO mahnt zu Umsicht

Zwei Deutsche unter Infizierten auf Kreuzfahrtschiff in Japan

In China steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus weiter an - allerdings weniger stark als bisher. In der am schwersten betroffenen Provinz Hubei verzeichneten die Behörden am Sonntag den dritten Tag in Folge einen Rückgang bei den Neuinfektionen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte unterdessen vor vorschnellem Optimismus. Es sei "unmöglich", den weiteren Verlauf der Epidemie vorherzusagen, betonte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. In Frankreich wurde der erste Todesfall durch den neuartigen Erreger in Europa gemeldet.

In China stieg die Zahl der Todesfälle durch das Virus auf 1665, wie die Gesundheitskommission mitteilte. Etwa 68.500 Menschen sind nach offiziellen Angaben in Festland-China inzwischen mit dem Erreger infiziert.

Die Gesundheitskommission meldete landesweit zudem 2009 neue Infektionsfälle, die meisten davon in Hubei. Zugleich wurde dort den dritten Tag infolge ein Rückgang bei den Neuinfektionen verzeichnet. In anderen Teilen Chinas geht die Zahl der Neuinfektionen bereits seit zwölf Tagen zurück.

WHO-Chef Tedros mahnte trotz der positiven Signale aus China zur Umsicht. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz rief Tedros am Samstag alle "Regierungen, Unternehmen und Medienorganisationen" auf, "den angemessenen Grad an Besorgnis auszurufen, ohne die Hysterie anzufachen". China habe der Welt Zeit gekauft. "Wir wissen nicht, wie viel Zeit", betonte Tedros.

Ein Team an WHO-Experten sollte am Wochenende in Peking eintreffen. Die WHO hatte China aufgefordert, ihr mehr Informationen über die Diagnose-Möglichkeiten von Coronavirus-Fällen zur Verfügung zu stellen. Am vergangenen Donnerstag hatten die Behörden in Hubei verkündet, die Diagnose-Kriterien angepasst zu haben. Die Zahl der bestätigten Neuinfektionen war daraufhin um mehr als 14.000 innerhalb eines einzigen Tages gestiegen.

Von einer Rückkehr zur Normalität ist China weit entfernt. In Hubei hält die Quarantäne für rund 56 Millionen Menschen weiter an. Auch in der Hauptstadt Peking wurden die Schutzmaßnahmen zuletzt erneut verschärft: Die Stadtregierung verordnete eine 14-tägige Quarantäne für alle Neuankömmlinge.

Am Samstag war der erste Todesfall in Europa durch das Virus gemeldet worden. Nach Angaben des französischen Gesundheitsministeriums erlag ein 80-jähriger chinesischer Tourist in einem Pariser Krankenhaus der durch den Erreger ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19. Es handelte sich um den vierten Todesfall durch die Erkrankung außerhalb Chinas.

Über zwei Dutzend Länder meldeten inzwischen weitere Infektionsfälle, darunter zuletzt Ägypten. Damit erreichte das Virus inzwischen auch Afrika.

Die größte Gruppe an Coronavirus-Patienten außerhalb Chinas befindet sich aber auf dem in Japan unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess". Auf dem riesigen Schiff mit mehr als 3700 Menschen an Bord wurden nach Angaben des japanischen Gesundheitsministeriums inzwischen 355 Coronavirus-Fälle festgestellt.

Unter den Infizierten seien auch zwei Deutsche, hieß es am Sonntag aus dem Auswärtigen Amt. Sie seien in ein Krankenhaus auf dem japanischen Festland gebracht worden. Beide seien "wohlauf" und hätten nach eigenen Angaben keine Symptome. Nach Angaben des japanischen Gesundheitsministeriums müssen noch fast 2500 Menschen auf der "Diamond Princess" auf das Virus getestet werden.

Im rheinland-pfälzischen Germersheim ging derweil die Quarantäne für die 100 in einer Bundeswehrkaserne isolierten China-Rückkehrer sowie die 22 Helfer des Roten Kreuzes zu Ende. Wie das Mainzer Gesundheitsministerium erklärte, verliefen erneute Labortests allesamt negativ.


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