12.02.2020, 15:08 Uhr

Kabul (AFP) Friedensverhandlungen zwischen US-Regierung und Taliban offenbar vor Durchbruch

Aschraf Ghani .
Quelle: AFP/Archiv/Olivier Douliery (Foto: AFP/Archiv/Olivier Douliery)Aschraf Ghani . Quelle: AFP/Archiv/Olivier Douliery (Foto: AFP/Archiv/Olivier Douliery)

Miliz stellt Reduzierung der Gewalt ab Freitag in Aussicht

Die Friedensgespräche zwischen den USA und den radikalislamischen Taliban stehen offenbar vor einem Durchbruch. Im Kurzbotschaftendienst Twitter begrüßte der afghanische Präsident Aschraf Ghani "beträchtliche Fortschritte" in den Verhandlungen in Doha. Ein hochrangiger Taliban-Vertreter in Afghanistan stellte für die kommenden Tage eine Reduzierung der Gewalt in Aussicht. Laut einem US-Medienbericht gab auch US-Präsident Donald Trump grünes Licht für ein Abkommen.

US-Außenminister Mike Pompeo habe ihn angerufen, um ihn über die "beträchtlichen Fortschritte in den laufenden Friedensgesprächen mit den Taliban" zu informieren, schrieb Ghani am späten Dienstagabend. Pompeo habe ihm ein "Angebot der Taliban" vorgestellt, durch das die Gewalt in Afghanistan "erheblich und dauerhaft reduziert" werden solle.

Nach Angaben eines hochrangigen Taliban-Vertreters in Afghanistan ist die Islamistenmiliz bereit, ihre Angriffe in dem Krisenstaat zu reduzieren. Sollte ein Abkommen unterzeichnet werden, seien die Taliban ab Freitag bereit, die Gewalt zu reduzieren. Die Miliz wolle auch Splittergruppen dazu bringen, ihre Attacken einzuschränken.

In den laufenden Verhandlungen zwischen Vertretern der US-Regierung und der Taliban geht es um die Bedingungen eines US-Truppenabzugs aus Afghanistan. Im Gegenzug sollen die Taliban Garantien dafür geben, dass sie das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekämpfen. Ein Friedensabkommen zwischen den USA und den Taliban gilt zudem als wichtiger Vorläufer für direkte Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und der Miliz.

Laut einem Bericht der "New York Times" stimmte US-Präsident Trump einem Abkommen mit den Taliban unter der Bedingung zu, dass die Taliban sich im Vorfeld der Vereinbarung an die zugesagte Reduzierung der Gewalt hielten. Laut den Taliban-Kreisen in Pakistan stimmte die radikalislamische Miliz dem zu. Demnach soll es sich bei dem geplanten Abkommen um eine Art Waffenruhe handeln, die jedoch aufgrund verschiedener "Komplikationen" nicht als solche bezeichnet werden könne.

In seiner Rede zur Lage der Nation in der vergangenen Woche in Washington hatte Trump bekräftigt, alle US-Soldaten aus Afghanistan abziehen zu wollen. "Wir arbeiten endlich daran, den längsten US-Krieg zu beenden und unsere Soldaten nach Hause zu bringen", sagte der US-Präsident.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte derweil, die Taliban müssten "wirklichen Willen und die Fähigkeit demonstrieren, die Gewalt zu verringern und sich in glaubhaften Friedensgesprächen zu engagieren". Mit Blick auf die Friedensgespräche fügte er hinzu, die Nato begrüße "jeden Schritt, der zur Verringerung von Gewalt führen kann". Die Nato-Verteidigungsminister beraten bei ihrem Treffen am Donnerstag über die Lage in Afghanistan und mögliche Auswirkungen einer US-Truppenreduzierung.

Schon einmal standen die Gespräche zwischen den USA und den Taliban vor einem Durchbruch - bis Trump sie angesichts der anhaltenden Taliban-Anschläge in Afghanistan im September vergangenen Jahres für "tot" erklärte. Im Dezember wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Die Gewalt im Land nimmt dennoch nicht ab - einer offiziellen US-Statistik erreichte sie im letzten Quartal des vergangenen Jahres mit mehr als 8200 Angriffen einen neuen Rekordstand.


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