12.02.2020, 17:59 Uhr

Berlin (AFP) Kramp-Karrenbauer spricht ab kommender Woche mit möglichen Nachfolgern

Merz will laut Bericht CDU-Chef werden - Weiter Streit über Zeitplan

In die Suche nach der künftigen CDU-Spitze kommt Bewegung. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer will ab kommender Woche Gespräche mit potenziellen Nachfolgern führen, wie die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch aus Parteikreisen erfuhr. Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz ist einem Bericht zufolge bereits entschlossen, seinen Hut in den Ring zu werfen. Streit gibt es weiterhin über den Zeitplan für die Besetzung von CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur.

Kramp-Karrenbauer hatte am Montag erklärt, dass sie nicht Kanzlerkandidatin der Union werden wolle. Der Kandidat oder die Kandidatin solle bis zum Sommer gefunden und vom Parteitag im Dezember bestätigt werden; diese Person solle dann auch den CDU-Vorsitz übernehmen.

Ab der kommenden Woche will die Noch-Parteichefin nun mit Interessenten sprechen. Darüber hatte zuerst die "Rheinische Post" (Donnerstagsausgabe) berichtet. Völlig unklar ist nach Angaben aus Parteikreisen bislang, ob es einen Sonderparteitag zur Kür von Kanzlerkandidat und neuem Vorsitzenden geben wird. Der reguläre Parteitag im Dezember in Stuttgart soll demnach auf jeden Fall stattfinden. Dort soll unter anderem das neue CDU-Grundsatzprogramm verabschiedet werden.

Als Interessenten für Kramp-Karrenbauers Nachfolge werden insbesondere Merz, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet gehandelt. Merz wolle sich um den Posten des Parteichefs bewerben, berichtete die "Bild"-Zeitung am Mittwoch auf ihrer Internetseite. Aus Merz' Umfeld heiße es, der 64-Jährige sei entschlossen zu kandidieren. Er wisse die Parteibasis hinter sich.

Spahn äußerte sich am Mittwoch erstmals zu seinen Ambitionen. Er habe immer gesagt, "dass ich bereit bin, Verantwortung zu übernehmen", sagte er in Berlin. In welcher Konstellation dies geschehen könne, "darüber reden wir jetzt eben in den nächsten Tagen".

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hält eine Entscheidung zwischen mehreren Kandidaten für einen geeigneten Weg. "Ich kann mir auch vorstellen, dass es zu einer Kampfkandidatur kommt", sagte er der "Wirtschaftswoche". "Es gibt genug gute Leute in der CDU - und eine Auswahl tut der Partei gut."

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte der "Süddeutschen Zeitung", der neue CDU-Vorsitzende müsse dafür sorgen, "dass die Union ein verlässlicher Partner bleibt. Dazu gehört für uns auch eine absolut glasklare Abgrenzung gegenüber Rechtsextremen auf allen Ebenen."

Zum unionsinternen Zeitplan sagte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble der "Zeit", seine Partei solle "die Kraft haben, dem Druck einiger Medien nicht nachzugeben und über die personellen Fragen erst Ende des Jahres zu entscheiden". Auch der Chef der nordrhein-westfälischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, Günter Krings, warnte in der "Rheinischen Post", die Partei dürfe sich "nicht treiben lassen".

Dagegen forderte CSU-Chef Markus Söder in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die CDU auf, "zügig" zu entscheiden. CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte der "Passauer Neuen Presse", die Führungs- und Kursfragen seien "umgehend" zu klären. "Das kann kein Prozess von einem halben Jahr sein, das darf keine endlose Hängepartie geben."

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte im Sender n-tv, es gebe jetzt "die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass wir nicht in einer monatelangen Debatte ein Ergebnis finden, sondern dass man sich zügig darauf verständigt, wie eine Neuaufstellung der Partei sein kann."


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