07.02.2020, 13:28 Uhr

Peking (AFP) Trauer und Wut über Tod von frühem Entdecker des neuartigen Coronavirus in China

WHO besorgt über weltweite Knappheit an Virus-Schutzausrüstung

In China hat der Tod eines jungen Arztes, der als einer der Ersten vor dem neuartigen Coronavirus warnte, die Kritik am Umgang der Behörden mit der Epidemie angeheizt. Der Augenarzt Li Wenliang starb an dem Erreger, wie seine Klinik in Wuhan am Freitag mitteilte. Er zählt zu den mittlerweile mehr als 630 Todesopfern. Laut WHO wird wegen der Epidemie mit mehr als 31.100 nachgewiesenen Infektionen Virus-Schutzausrüstung knapp.

Li wurde nur 34 Jahre alt. Laut seiner Schilderung hatte die Polizei in Wuhan versucht, ihn mundtot zu machen, nachdem er Ende Dezember Kollegen vor dem neuartigen Virus gewarnt hatte. In chinesischen Online-Netzwerken wurde Li nach der Todesnachricht als Held gewürdigt. "Er ist ein Held, der andere unter Einsatz seines Lebens warnte", schrieb ein Arzt in Wuhan im Onlinedienst Weibo.

Im Internet brach sich aber auch Wut über die chinesischen Behörden Bahn. Vielfach wurde der Ruf nach "Meinungsfreiheit" in der Volksrepublik laut. Die chinesische Anti-Korruptionsbehörde kündigte umfassende Ermittlungen zu Lis Fall an. Außenministerium und Nationale Gesundheitskommission veröffentlichten Trauerbotschaften.

In Wuhan war das neuartige Coronavirus im Dezember erstmals bei Menschen aufgetreten. Die Provinz Hubei und ihre Hauptstadt Wuhan sind am stärksten von der Epidemie betroffen. In ganz Festland-China wurden mittlerweile mehr als 31.000 Krankheitsfälle bestätigt. 636 Menschen starben dort an der Atemwegserkrankung. In rund zwei Dutzend Ländern gibt es mehr als 240 weitere bestätigte Infektionen, davon 13 in Deutschland.

Eine Studie der Südchinesischen Landwirtschaftlichen Universität ergab, dass das in China begehrte Schuppentier Überträger des neuen Coronavirus nCoV sein könnte. Die Untersuchung von mehr als tausend Proben von Wildtieren habe ergeben, dass die Gensequenz von Viren beim Schuppentier zu 99 Prozent mit der von 2019-nCoV übereinstimme, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua aus der Studie.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, sagte am Freitag vor dem WHO-Exekutivrat in Genf, wegen der Epidemie sei die Welt "mit einem chronischen Mangel an persönlicher Schutzausrüstung konfrontiert". Bereits am Mittwoch hatte die WHO daher die Lieferung von Atemschutzmasken, Gummihandschuhen, Schutzanzügen und Test-Sets an hilfsbedürftige Länder angekündigt und dazu von der internationalen Gemeinschaft 675 Millionen Dollar (613 Millionen Euro) gefordert.

"Wir haben einen gemeinsamen Feind, der gefährlich ist und zu schweren gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen führen kann", mahnte Tedros nun.

Der britische Seuchenexperte Jeremy Farrar sagte dem "Spiegel", ein Impfstoff gegen das Virus sei "frühestens zum Jahresende fertig oder in einem Jahr".

Die chinesischen Behörden versuchen seit Wochen mit drastischen Maßnahmen wie großflächigen Quarantäne-Anordnungen für dutzende Millionen Menschen und Schutzmaskenpflicht, die Ausbreitung des neuartigen Virus 2019-nCoV einzudämmen. In einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump versprach Chinas Staatschef Xi Jinping die "striktesten Präventions- und Kontrollmaßnahmen".

Angesichts eines US-Einreiseverbots für Chinesen ermahnte Xi die USA zugleich, "vernünftig" auf die Epidemie zu reagieren. Trump erklärte, er habe Vertrauen in Chinas "Stärke und Widerstandskraft" im Kampf gegen den Erreger.

In Japan stehen wegen Infektionsfällen tausende Menschen an Bord des Kreuzfahrtschiffs "Diamond Princess" unter Quarantäne. Erste Tests bestätigten dort mittlerweile 61 Infektionen.

Das Kreuzfahrtschiff "Westerdam" nahm mit mindestens einem Infektionsfall Kurs auf Japan. In Hongkong sitzen rund 3600 Menschen auf der "World Dream" fest, weil dort acht Passagiere positiv auf das Virus getestet wurden.

Kanada flog am Freitag knapp 180 seiner Staatsbürger aus Wuhan, dem Epizentrum der Epidemie, aus. Deutschland hatte vergangene Woche mehr als hundert seiner Bürger aus Wuhan geholt. Das Auswärtige Amt plant die Rückholung einzelner weiterer Deutscher.


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