04.02.2020, 21:36 Uhr

Beirut (AFP) UNO: Mehr als 500.000 Menschen fliehen vor heftigen Kämpfen im Nordwesten Syriens

Mehr als 500.000 Flüchtlinge nach heftigen Kämpfen in Syrien.
Quelle: AFP/AAREF WATAD (Foto: AFP/AAREF WATAD)Mehr als 500.000 Flüchtlinge nach heftigen Kämpfen in Syrien. Quelle: AFP/AAREF WATAD (Foto: AFP/AAREF WATAD)

UN-Generalsekretär fordert Ende der Gefechte zwischen türkischer und syrischer Armee

Im Nordwesten Syriens sind binnen zwei Monaten nach UN-Angaben mehr als eine halbe Million Menschen vor den Kämpfen in der Region Idlib geflohen. Seit dem 1. Dezember seien 520.000 Menschen vor einer Offensive syrischer Regierungstruppen geflohen, erklärte David Swanson, Sprecher des UN-Büros für humanitäre Hilfe (Ocha), am Dienstag. UN-Generalsekretär António Guterres rief indes zu einem Ende der jüngsten Gefechte zwischen der türkischen Armee und syrischen Regierungstruppen in Idlib auf.

80 Prozent der Flüchtlinge sind Swanson zufolge Frauen und Kinder. Die jüngste Fluchtbewegung in der Winterzeit verschlechtere eine bereits "schreckliche" humanitäre Lage in der Region, erklärte Swanson. Bereits zwischen April und Ende August seien mehr als 400.000 Menschen durch die Kämpfe vertrieben worden, viele von ihnen mussten demnach mehrmals flüchten.

Syrische Regierungstruppen hatten kürzlich mit russischer Unterstützung und verbündeten Milizen eine Offensive gegen die bisher überwiegend von islamistischen und dschihadistischen Milizen kontrollierte Region Idlib gestartet. Die Streitkräfte von Machthaber Baschar al-Assad eroberten bereits dutzende Dörfer und einige wichtige Städte.

Am Montag kam es zudem zu heftigen Gefechten zwischen der syrischen und der türkischen Armee, mehr als 20 Menschen wurden dabei getötet. Auslöser war nach Angaben Ankaras der Beschuss türkischer Stellungen durch die syrische Armee, die türkischen Soldaten reagierten mit Vergeltungsangriffen. Es waren die heftigsten Gefechte, seit Ankara im Jahr 2016 Truppen in das Nachbarland entsandte.

Dass die türkische und syrische Armee sich gegenseitig bombardierten, sei "äußerst besorgniserregend", sagte UN-Generalsekretär Guterres am Dienstag in New York. Der nun seit bald neun Jahren andauernde Konflikt lasse sich nicht militärisch, sondern nur politisch lösen.

Die türkische Armee verfügt in Idlib, der letzten Hochburg islamistischer Kämpfer in Syrien, über zwölf Beobachtungsposten. Diese waren auf der Grundlage eines Abkommens zwischen Moskau und Ankara aufgebaut worden. Russland, der Verbündete des syrischen Machthabers Baschar al-Assad, und die Türkei, die einige der Rebellen gegen Damaskus unterstützt, hatten Idlib im Jahr 2017 zur Deeskalationszone erklärt.

In einem Telefongespräch mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin warnte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Dienstag, der Angriff auf die türkischen Truppen sei ein schwerer Rückschlag für die "gemeinsamen Bemühungen, einen Frieden in Syrien durchzusetzen". Ankara werde es nicht zulassen, dass syrische Truppen weiter an Boden gewinnen.

US-Außenminister Mike Pompeo äußerte unterdessen Verständnis für den türkischen Gegenangriff in Idlib. Bei dem Beschuss der türkischen Posten handle es sich um eine "schwerwiegende Eskalation", sagte Pompeo in Washington und fügte hinzu, die USA unterstützten voll und ganz die Vergeltungsaktionen der türkischen Truppen zu ihrer Selbstverteidigung.


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