03.02.2020, 18:19 Uhr

Beirut (AFP) Mehr als 20 Tote bei Gefechten zwischen türkischer und syrischer Armee in Idlib

Türkischer Militärkonvoi. Quelle: AFP/AAREF WATAD (Foto: AFP/AAREF WATAD)Türkischer Militärkonvoi. Quelle: AFP/AAREF WATAD (Foto: AFP/AAREF WATAD)

Ankara reagiert mit Vergeltungsangriffen auf Tötung türkischer Soldaten

Bei heftigen Gefechten zwischen der türkischen Armee und syrischen Regierungstruppen in der umkämpften Provinz Idlib sind am Montag mehr als 20 Menschen getötet worden. Auslöser der militärischen Eskalation war nach Angaben Ankaras der Beschuss türkischer Stellungen in der Region durch die syrische Armee. Die Türkei reagierte mit Vergeltungsangriffen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte den Syrien-Verbündeten Russland auf, seine "Verpflichtungen" in Idlib einzuhalten.

Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums waren die türkischen Soldaten in der Nacht zum Montag unter Artilleriebeschuss geraten. Fünf Militärangehörige und drei zivile Mitarbeiter seien getötet worden. Sieben weitere Soldaten wurden demnach verletzt.

Die türkische Armee verfügt in Idlib, der letzten Hochburg islamistischer Kämpfer in Syrien, über zwölf Beobachtungsposten. Diese waren auf der Grundlage eines im September 2018 geschlossenen Abkommens zwischen Russland und der Türkei aufgebaut worden.

Die angegriffenen Soldaten sollten laut Ankara die Beobachtungsposten in Idlib ausbauen. Sie seien attackiert worden, obwohl ihr Standort der syrischen Armee mitgeteilt worden sei, teilte das Verteidigungsministerium mit. Russland erklärte hingegen, die Türkei habe es versäumt, vorab über ihre Truppenbewegungen in der Region zu informieren.

Die Türkei reagierte mit Gegenangriffen auf den Artilleriebeschuss. Nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei mindestens 13 syrische Soldaten getötet und 20 weitere Soldaten verletzt. Erdogan sprach sogar von bis zu 35 Toten. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana dementierte hingegen die Berichte über Opfer in den Reihen der Regierungstruppen.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden bei neuen russischen Luftangriffen im Nordwesten Syriens am Montag zudem 14 Zivilisten getötet. Neun von ihnen waren Flüchtlinge, deren Fahrzeug von einer Rakete getroffen wurde.

Am Rande eines Besuchs in der Ukraine rief Erdogan die russische Regierung auf, sich in Idlib an die "Verpflichtungen" aus den Verträgen von Astana und Sotschi zu halten. Diese sollten die Kämpfe im Krisenland Syrien stoppen. Erdogan kündigte an, dass Angreifer auf türkische Truppen auch künftig einen "Preis" zahlen müssten.

Die Türkei und Russland hatten im September 2018 ein Abkommen geschlossen, um in Idlib eine großangelegte syrische Offensive gegen die islamistischen Milizen, die von der Türkei unterstützt werden, zu verhindern. Für die Region mit rund drei Millionen Einwohnern wurden seither diverse Waffenruhen vereinbart, zuletzt Anfang des Monats. Alle Feuerpausen wurden jedoch kurz nach ihrem Inkrafttreten gebrochen.

Moskau steht im Syrien-Konflikt an der Seite von Machthaber Baschar al-Assad. Die russische Luftwaffe unterstützt Assads Truppen, welche die Provinz Idlib wieder unter ihre Kontrolle bringen wollen.

Erdogan hatte Russland in der vergangenen Woche vorgeworfen, sich nicht an gemeinsame Absprachen zu halten. Er verlangte ein Ende der russischen Angriffe in Idlib. Nach UN-Angaben wurden seit Mitte Dezember fast 390.000 Einwohner der Provinz vertrieben.


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