03.02.2020, 17:41 Uhr

Peking (AFP) Chinas Führung gesteht "Fehler" im Umgang mit neuartigem Coronavirus ein


Lufthansa verlängert Flugstopp - Hongkong schließt fast alle Grenzübergänge

Angesichts immer höherer Ansteckungszahlen mit dem Coronavirus hat Chinas Führung "Fehler" im Umgang mit der Epidemie eingeräumt. Der Ständige Ausschuss des Politbüros der regierenden Kommunistischen Partei erklärte am Montag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, die Reaktion auf die Coronavirus-Epidemie habe "Fehler und Schwierigkeiten" beim nationalen Notfallmanagement offengelegt. Die Lufthansa verkündete derweil, ihre Flüge von und nach Festland-China länger auszusetzen als zunächst geplant. In China sind mittlerweile mehr Menschen an dem neuartigen Coronavirus als an der Sars-Epidemie gestorben.

Chinas Staatschef Xi Jinping sagte am Montag bei der Sitzung des Politbüros, eine Eindämmung der Coronavirus-Epidemie werde einen "direkten Einfluss" auf die wirtschaftliche und soziale Stabilität Chinas "und auch auf Chinas Öffnung" haben. Wegen der rasanten Ausbreitung des Erregers hat in China die Wut auf die Behörden immer mehr zugenommen.

Die Lufthansa verlängerte derweil ihren Flugstopp von und nach Festland-China. Die Airline sowie die Lufthansa-Gesellschaften Swiss und Austrian Airlines fliegen bis Ende Februar nicht nach Peking und Shanghai. Nanjing, Shenyang und Qingdao werden sogar bis Ende März nicht angeflogen. Im Gegensatz dazu nahm Pakistan die Flüge von und nach China wieder auf. Die Entscheidung der pakistanischen Fluggesellschaften fiel am Montag, nachdem die Gesundheitsbehörden des Landes versichert hatten, dass die Kontrollsysteme gegen das Virus in Pakistan effizient genug seien.

Die Finanzmetropole Hongkong kündigte derweil an, fast alle Grenzübergänge nach China zu schließen. Wie Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam am Montag mitteilte, bleiben nur der Flughafen, die Brücke nach Shenzhen und die Brücke nach Zhuhai und Macao geöffnet. Schon vergangene Woche waren vier Grenzübergänge nach China geschlossen worden. Bis Montag wurden in Hongkong 15 bestätigte Coronavirus-Fälle gemeldet.

Nach neuen Angaben der chinesischen Regierung sind inzwischen mehr als 17.200 Menschen an dem Coronavirus erkrankt. 361 Infizierte starben. An der Sars-Epidemie waren 2002 und 2003 in Festland-China nach offiziellen Angaben 349 Menschen gestorben. Insgesamt gab es 774 Tote, unter ihnen fast 300 Einwohner Hongkongs.

China versucht weiterhin mit strengen Maßnahmen, die Atemwegserkrankung aufzuhalten: In Provinzen und Städten mit insgesamt mehr als 300 Millionen Einwohnern gilt jetzt eine Schutzmaskenpflicht. Vielerorts werden Masken daher knapp. "Was China momentan dringend braucht, sind Atemmasken, Schutzanzüge und Schutzbrillen", sagte die Sprecherin des Außenministeriums. Nach Angaben des Industrieministeriums versucht die Regierung, zusätzliche Masken aus Europa, Japan und den USA zu besorgen. Deutschland ist bereit, "nach Kräften zu helfen", wie ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin sagte.

Von China aus hat sich das Virus inzwischen in mindestens 24 andere Länder ausgebreitet. Der bislang einzige bekannte Todesfall außerhalb Chinas wurde am Sonntag in den Philippinen verzeichnet. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich dabei um einen Chinesen aus der Millionenstadt Wuhan, dem Zentrum des Virenausbruchs, in Hubei.

Es wird vermutet, dass der Erreger der Lungenkrankheit auf einem Markt in der zentralchinesischen Elf-Millionen-Stadt von einem Wildtier auf den Menschen übergegangen ist. Auf dem mittlerweile geschlossenen Markt wurden außer Meeresfrüchten und Geflügel auch Tiere wie Krokodile, Schlangen und Füchse angeboten.

Bei Deutschen gibt es bislang elf bestätigte Fälle von Erkrankungen durch das Coronavirus. Zwei dieser Patienten gehörten zu den mehr als hundert Menschen, die am Samstag mit einem Sonderflug aus Wuhan zurückgeholt worden waren. Der von dem neuartigen Coronavirus betroffene bayerische Automobilzulieferer Webasto kündigte an, seine Firmenzentrale in Stockdorf im Landkreis Starnberg bis zum Dienstag kommender Woche zu schließen.


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