02.02.2020, 13:42 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) Elf Coronavirus-Fälle und mehr als hundert Menschen in Quarantäne in Deutschland

Rückkehrer mit Atemschutzmasken in Bus nach Germersheim. Quelle: AFP/Thomas Lohnes (Foto: AFP/Thomas Lohnes)Rückkehrer mit Atemschutzmasken in Bus nach Germersheim. Quelle: AFP/Thomas Lohnes (Foto: AFP/Thomas Lohnes)

China riegelt weitere Millionenstadt ab - Philippinen melden erstes Todesopfer

Elf Krankheitsfälle und mehr als hundert Menschen in Quarantäne - das ist allein für Deutschland die bisherige Bilanz des neuartigen Coronavirus. Zwei neue Erkrankungen meldeten die Behörden am Sonntag unter den über hundert Menschen, die am Samstag mit einem Sonderflug aus China nach Deutschland zurückgeholt worden waren. Chinesische Behörden riegelten derweil erstmals eine Stadt außerhalb der am stärksten betroffenen Provinz Hubei ab. Mehr als 300 Menschen starben in der Volksrepublik bereits an dem Virus, die Philippinen meldeten das erste Todesopfer außerhalb Chinas.

Wegen der Ausbreitung des Virus hatte eine Maschine der deutschen Luftwaffe am Wochenende 124 Menschen aus der Stadt Wuhan in der Provinz Hubei ausgeflogen, unter ihnen 102 Deutsche. Die beiden infizierten Patienten sollten nun von der Südpfalz-Kaserne in Germersheim, wo sie mit den meisten Rückkehrern unter strenger Quarantäne standen, in einem Infektionsschutz-Fahrzeug in die Uniklinik Frankfurt am Main gebracht werden, wie die Behörden mitteilten.

Für die ehrenamtlichen Helfer und die Bevölkerung bestehe "kein Grund zur Sorge", gaben die Behörden des Landkreises Germersheim bekannt. Die Erkrankten hätten den Befund "gefasst aufgenommen" und seien isoliert worden.

Andere Rückkehrer waren direkt nach der Landung in die Uniklinik Frankfurt am Main gebracht worden - in einem Fall bestand Verdacht auf das Coronavirus, der sich laut Behörden aber nicht bestätigte. In den übrigen Fällen ging es um andere medizinische Probleme.

Der Evakuierungsflug aus Wuhan führte obendrein zu diplomatischem Zwist mit Russland. Die russischen Behörden hatten der Luftwaffen-Maschine den vorher in Aussicht gestellten Zwischenstopp auf dem Moskauer Flughafen verweigert, wie Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte. Dies sei mit Kapazitätsengpässen begründet worden. Die Ministerin kündigte ein mögliches Nachspiel an.

Am Samstag waren auch zwei weitere Infektionsfälle bei Deutschen bekannt geworden. Ein deutscher Tourist wurde laut spanischen Behörden auf der Kanareninsel La Gomera positiv auf das Coronavirus getestet. Er habe zuvor "engen Kontakt" mit einer infizierten Person in Bayern gehabt.

Das bayerische Gesundheitsministerium teilte außerdem mit, ein 33-jähriger Mann aus München habe sich infiziert. Wie sechs weitere Erkrankte sei auch er ein Mitarbeiter des im Landkreis Starnberg angesiedelten Automobilzulieferers Webasto. Außerdem steckte sich ein Kind eines erkrankten Webasto-Mitarbeiters an.

In China stieg nach Behördenangaben vom Sonntag die Zahl der bestätigten Infektionen auf rund 14.500, mehr als 300 Menschen starben bereits. Damit stiegen die Fälle binnen eines Tages noch einmal drastisch an.

Von China hat sich das Virus in mindestens 24 weitere Länder ausgebreitet. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO starb in der philippinischen Hauptstadt Manila erstmals ein Infizierter außerhalb Chinas. Es handele sich um einen Chinesen aus der Millionenstadt Wuhan, dem Ausgangsort der Infektion. Seine 38-jährige Partnerin, die mit ihm eineinhalb Wochen zuvor eingereist war, wurde ebenfalls positiv getestet.

In China wurde erstmals eine Stadt außerhalb der Provinz Hubei de facto unter Quarantäne gestellt. In der Neun-Millionen-Einwohner-Metropole Wenzhou an der Ostküste dürfe nur noch ein Mensch pro Haushalt alle zwei Tage auf die Straße, um das zum Leben Notwendige einzukaufen, teilten die örtlichen Behörden mit. Sie setzten den öffentlichen Verkehr aus und schlossen 46 Autobahn-Mautstellen.

In den vergangenen Wochen waren einige Städte in Hubei mit zusammen mehr als 50 Millionen Einwohnern unter Quarantäne gestellt worden. Die chinesische Regierung rief am Wochenende außerdem dazu auf, Hochzeiten zu verschieben und Trauerfeiern in kleinem Rahmen abzuhalten, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Der Reiseverkehr in China nahm allerdings wieder zu, weil am Montag die wegen des Virus verlängerten Neujahrsferien enden.

Derweil verkündeten Staatsmedien, am Montag solle ein Krankenhaus in Wuhan offiziell eröffnen, das wegen der vielen Virus-Patienten im Schnellverfahren erbaut worden war. Rund 1400 erfahrene Militärärzte sollen in der 1000-Betten-Klinik zum Einsatz kommen.


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