01.02.2020, 16:05 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) Luftwaffe bringt mehr als hundert Deutsche aus chinesischem Wuhan zurück

Südpfalz-Kaserne in Germersheim. Quelle: AFP/Thomas Lohnes (Foto: AFP/Thomas Lohnes)Südpfalz-Kaserne in Germersheim. Quelle: AFP/Thomas Lohnes (Foto: AFP/Thomas Lohnes)

Minister Spahn warnt vor Panikmache: Keine Gefahr für Bevölkerung hierzulande

Die Bundeswehr hat am Samstag mehr als hundert Deutsche aus dem chinesischen Seuchengebiet zurück nach Deutschland gebracht. Von den Rückkehrern aus der besonders vom neuartigen Coronavirus betroffenen Stadt Wuhan gehe keine Ansteckungsgefahr für die Allgemeinheit aus, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU): "Es sind alle symptomfrei in den Flieger eingestiegen." Die Rückkehrer sollten zunächst in Frankfurt am Main untersucht werden. Danach stehen sie für 14 Tage in einer Kaserne unter Quarantäne.

Der Luftwaffen-Airbus mit den 124 Rückkehrern landete am späten Nachmittag in Frankfurt. Unter ihnen waren nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums 102 Deutsche. In einem so genannten Medical Assessment Center sollten sie umgehend auf Symptome des Coronavirus untersucht werden.

Rückkehrer mit Symptomen sollten sofort auf die Isolierstation eines Frankfurter Krankenhauses gebracht werden. Die übrigen sollten dann in die Südpfalz-Kaserne nach Germersheim verlegt werden, wo sie unter ärztlich beaufsichtigter Quarantäne die Inkubationszeit von 14 Tagen verbringen sollten. Erst dann ist sicher, dass Infizierte das Virus nicht weiterverbreiten können.

Der Rückflug führte zu diplomatischem Zwist mit Russland. Die dortigen Behörden hatten der Luftwaffen-Machine aus Wuhan die vorher in Aussicht gestellte Landegenehmigung für einen Zwischenstopp auf dem Moskauer Flughafen verweigert, wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte. Dies sei mit Kapazitätsengpässen am Flughafen begründet worden.

Die Ministerin kündigte ein mögliches Nachspiel an: "Was jetzt neben der offiziellen Erklärung von mangelnden Kapazitäten am Flughafen von Moskau die Gründe sind, das werden wir sicherlich in der nächsten Woche gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt besprechen."

Ein Zwischenstopp auf dem langen Flug war zwingend nötig gewesen, um den Luftwaffen-Airbus aufzutanken und die Piloten auszutauschen. Der Stopp wurde dann in Helsinki eingelegt.

Die Evakuierten stimmten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums der 14-tägigen Quarantäne zu. Rechtliche Grundlage dafür ist das Infektionsschutzgesetz. Die Kosten dafür trägt laut Bundesgesundheitsministerium der Bund; den Rückkehrern würden lediglich die Kosten eines Economy-Flugs in Rechnung gestellt, sagte Staatssekretär Thomas Gebhard (CDU).

In der Kaserne werden die Rückkehrer aus Wuhan unter anderem von Experten des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) betreut. "Uns allen ist klar, dass die große Gefahr erstmal der Lagerkoller ist", sagte DRK-Experte Michael Seeland in Germersheim. Schließlich wüssten die Betroffenen, dass sie das abgeschottete Gelände nun 14 Tage lang nicht mehr verlassen dürften.

"Wir sind darauf vorbereitet, die Menschen entsprechend zu beschäftigen", sagte der Rotkreuz-Vertreter. Vor Ort sei auch ein psychosozialer Dienst.

Der Germersheimer Landrat Fritz Brechtel betonte, dass die Quarantäne auch länger als 14 Tage dauern könne - nämlich dann, wenn in Germersheim bei einem der Rückkehrer Symptome des Virus festgestellt würden: "Für den Rest der Gruppe würde die Quarantäne-Zeit dann wieder von vorne beginnen."

Gesundheitsminister Spahn warnte vor Panikmache nach der Rückkehr der Menschen aus Wuhan. Er rate zu "Gelassenheit", sagte Spahn in Bonn. "Was mir im Moment am meisten Sorge macht, sind Verschwörungstheorien aller Art, die in den sozialen Netzwerken verbreitet werden."

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) dankte seinem chinesischen Kollegen Wang Yi telefonisch dafür, dass China den Luftwaffen-Flug möglich gemacht habe. Maas bot weitere Unterstützung im Kampf gegen die Epidemie an, erklärte das Auswärtige Amt.

Die Zahl der Infizierten und Todesopfer durch den Erreger 2019-nCoV wuchs weiter. In China sind nach offiziellen Angaben inzwischen knapp 11.800 Menschen infiziert, 259 Menschen starben. Hinzu kommen mehr als hundert Infektionsfälle in rund 25 Ländern. In Deutschland waren bis Samstag sieben Fälle bekannt, ein deutscher Urlauber war auch in Spanien infiziert.


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