01.02.2020, 17:44 Uhr

Peking (AFP) Mehr als hundert Deutsche aus Coronavirus-Gebiet zurück in der Heimat

Aus China ausgeflogene Franzosen. Quelle: AFP/GERARD JULIEN (Foto: AFP/GERARD JULIEN)Aus China ausgeflogene Franzosen. Quelle: AFP/GERARD JULIEN (Foto: AFP/GERARD JULIEN)

Weltweit ergreifen Staaten schärfere Maßnahmen zur Abschottung von China

Mehr als hundert Deutsche sind aus dem chinesischen Seuchengebiet zurück in die Heimat ausgeflogen worden. Sie seien "sicher und wohlbehalten" in Frankfurt am Main gelandet, erklärte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Samstag. Zahlreiche Staaten verschärften angesichts der ungebremsten Ausbreitung des neuartigen Coronavirus derweil ihre Abschottung von China: Die USA und Australien untersagten Besuchern aus dem Land die Einreise, Vietnam strich sämtliche Flüge nach Festland-China.

Der Luftwaffen-Airbus mit insgesamt 124 Rückkehrern aus der Seuchen-Hochburg Wuhan landete am Samstagnachmittag in Frankfurt. Von den Rückkehrern, darunter 102 Deutsche, gehe keine Ansteckungsgefahr für die Allgemeinheit aus, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Dennoch sollten sie sofort untersucht werden und stehen für 14 Tage in einer Kaserne unter Quarantäne.

Der Rückflug führte zu diplomatischem Zwist mit Russland. Die dortigen Behörden hatten der Luftwaffen-Maschine aus Wuhan die vorher in Aussicht gestellte Landegenehmigung für einen zwingend nötigen Zwischenstopp auf dem Moskauer Flughafen verweigert, wie Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sagte. Dies sei mit Kapazitätsengpässen am Flughafen begründet worden. Die Ministerin kündigte ein mögliches Nachspiel an.

In Deutschland gibt es mittlerweile sieben Menschen, bei denen der Erreger nachgewiesen wurde. Es handelt sich um sechs Mitarbeiter des Zulieferbetriebs Webasto im bayerischen Landkreis Starnberg sowie ein Kind von einem von ihnen.

Von dort breitete sich das Virus auch nach Spanien aus. Auf der Urlauberinsel La Gomera werde ein erkrankter Deutscher isoliert behandelt, teilte das spanische Gesundheitsministerium mit. Er habe zuvor in Deutschland "engen Kontakt" mit einer infizierten Person gehabt. Der Mann hatte mit fünf weiteren Deutschen auf der Kanareninsel La Gomera Urlaub gemacht. Vier seiner Begleiter hätten ebenfalls Symptome gezeigt, bei einem Menschen seien keine Symptome aufgetreten.

Immer mehr Länder flogen derweil ihre Bürger aus dem Seuchengebiet aus. In Frankreich wurden etwa 180 Menschen, zumeist Franzosen, nahe Marseille unter Quarantäne gestellt, die aus Wuhan ausgeflogen worden waren. Ein weiteres Flugzeug überwiegend mit Franzosen wurde in der Nacht zu Sonntag in Frankreich erwartet.

Angesichts der ungebremsten Ausbreitung des Virus verhängte Australien am Samstag ein Einreiseverbot für Reisende aus China. Von dem Verbot ausgenommen seien australische Staatsbürger und Menschen mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung sowie deren Angehörige, erklärte Premierminister Scott Morrison.

Zuvor hatte bereits die US-Regierung ein Einreiseverbot für China-Reisende verhängt hatte. Auch das US-Verbot gilt nicht für Staatsbürger, Ausländer mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung in den USA sowie deren enge Familienmitglieder. Länder wie Italien, Singapur und die Mongolei ergriffen jedoch ähnliche drastische Schutzvorkehrungen.

Großbritannien zog nach Angaben des Außenministeriums Personal aus diplomatischen Einrichtungen in China ab. Von dem Schritt sind demnach Diplomaten sowie deren Familien betroffen. Zuvor hatten die USA einem Teil ihrer Botschaftsmitarbeiter die Ausreise freigestellt.

Auch die Wirtschaft wurde zunehmend in Mitleidenschaft gezogen. Der US-IT-Gigant Apple kündigte an, bis zum 9. Februar seine Filialen und Büros in Festland-China vorsichtshalber zu schließen. Der koreanische Autobauer Hyundai setzte seine für dieses Wochenende geplante SUV-Produktion aus. Zur Begründung nannte eine Sprecherin Werksschließungen in China, die zu einer Versorgungsstörung geführt hätten.

In China stieg die Zahl der Infizierten bis Samstag auf knapp 12.000, wie die Nationale Gesundheitskommission mitteilte. Bislang starben in der Volksrepublik demnach 259 Menschen an der Atemwegserkrankung, die bereits während der bis zu zwei Wochen dauernden Inkubationszeit von Mensch zu Mensch übertragbar ist.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Donnerstag einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die chinesische Regierung rief Paare auf, ihre Hochzeiten zu verschieben, und bat darum, Trauerfeiern für verstorbene Angehörige in kleinem Rahmen abzuhalten.


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