30.01.2020, 14:57 Uhr

Lyon (AFP) Freispruch für Kardinal nach Kindesmissbrauch durch Priester in Lyon

Der französische Kardinal Barbarin (Mitte) mit seinen Anwälten. Quelle: AFP/Archiv/JEFF PACHOUD (Foto: AFP/Archiv/JEFF PACHOUD)Der französische Kardinal Barbarin (Mitte) mit seinen Anwälten. Quelle: AFP/Archiv/JEFF PACHOUD (Foto: AFP/Archiv/JEFF PACHOUD)

Opfer fechten Urteil im Vertuschungs-Prozess an

Der ehemals höchste katholische Geistliche Frankreichs ist von dem Vorwurf freigesprochen worden, jahrelang den sexuellen Missbrauch von Jungen durch einen Priester gedeckt zu haben. Das Berufungsgericht von Lyon urteilte am Donnerstag, Kardinal Philippe Barbarin habe sich nach dem Strafrecht nicht schuldig gemacht. Die Opfer des Priesters zeigten sich "sehr enttäuscht", sie wollen die Entscheidung anfechten.

Der Fall um den pädophilen Priester und den Kardinal sorgt in Frankreich seit Jahren für Schlagzeilen. In erster Instanz war der frühere Erzbischof von Lyon wegen "Missbrauchs-Vertuschung" im vergangenen März zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er lässt seitdem sein Amt ruhen. Papst Franziskus hatte das Rücktrittsgesuch seines französischen Oberhirten abgelehnt, solange das Verfahren läuft.

Einer der Anwälte des Kardinals begrüßte nun das Urteil im Berufungsverfahren: "Kardinal Barbarin ist unschuldig", sagte er stellvertretend für den Geistlichen, der dem Richterspruch fern geblieben war. Der Kardinal hatte zwar persönliche "Irrtümer" eingestanden, aber keine Schuld im juristischen Sinne. Auch die Generalstaatsanwaltschaft hatte auf Freispruch plädiert. Sie argumentierte, der Kardinal könne nicht persönlich für "Fehler" der katholischen Kirche haften.

Der Opferanwalt Jean Boudot kündigte dagegen an, den Fall vor das Pariser Kassationsgericht als oberste französische Instanz zu bringen. Die Opfer seien sehr enttäuscht und könnten die Entscheidung nicht nachvollziehen.

Kardinal Barbarin soll nach Übernahme der Diözese Lyon im Jahr 2002 von den Taten des Priesters erfahren haben, die auf die Jahre 1971 bis 1991 zurückgingen. Nach Überzeugung der Opfer schwieg er dann jahrelang, bis der Fall 2015 durch die Aussage eines der Missbrauchten öffentlich wurde.

Gegen den Priester Bernard Preynat selbst läuft derzeit in Lyon ein gesondertes Verfahren. Die Anklage fordert mindestens acht Jahre Haft. Der 74-Jährige hat gestanden, als Leiter von Pfadfindergruppen und Ferienlagern zeitweise "vier bis fünf Kinder pro Woche" missbraucht zu haben. Ein Teil der Taten ist bereits verjährt. Das Urteil gegen den Priester wird am 16. März erwartet.


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