28.01.2020, 08:48 Uhr

Berlin (AFP) Von Klimaaktivisten geprägte Endung "for Future" ist Anglizismus des Jahres

Greta Thunberg (Mitte) und andere Klimaaktivisten. Quelle: AFP/Archiv/FABRICE COFFRINI (Foto: AFP/Archiv/FABRICE COFFRINI)Greta Thunberg (Mitte) und andere Klimaaktivisten. Quelle: AFP/Archiv/FABRICE COFFRINI (Foto: AFP/Archiv/FABRICE COFFRINI)

Ausdruck hat zentrale Bedeutung bei Auseinandersetzung über Erderwärmung

Der Anglizismus des Jahres 2019 ist die von Klimaaktivisten geprägte Endung "for Future". Bei dem Ausdruck handelt es sich um eine für die Klimadebatte zentrale Redewendung mit einer Leerstelle als Platzhalter für verschiedene Wörter, wie die Jury am Donnerstag erklärte. Sie geht zurück auf die 2018 von der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg geprägten Schulstreiks namens "Fridays for Future".

Zunächst hätten sich andere Bewegungen in Analogie zu dem Namen "Fridays for Future" benannt wie beispielsweise "Scientists for Future" oder "Students for Future", wie die Jury rund um den Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch von der Freien Universität Berlin weiter mitteilte. "Danach bildete sich eine produktive Schablone, die allgemein die Klimafreundlichkeit bestimmter Verhaltensweisen nahelegen soll." Überzeugt habe die Jury am Ausdruck "for Future", dass er im öffentlichen Sprachgebrauch kreativ verwendet werden könne.

Auch wies die Jury auf die zentrale Bedeutung des Ausdrucks hin, "die er in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung um einen angemessenen Umgang mit der Erderwärmung und ihren Konsequenzen einnimmt". Darüber hinaus zeige die Geschichte des Ausdrucks, dass Anglizismen ein globales Phänomen seien. Schließlich habe mit Greta Thunberg eine schwedische Muttersprachlerin den englischen Slogan geprägt, der weltweit aufgegriffen wurde.

Als Publikumsliebling gab die Jury darüber hinaus den Ausdruck "OK Boomer" bekannt, der hauptsächlich von den jüngeren als Millennials und Gen Z bezeichneten Generationen verwendet werde, "um Aussagen und Ansichten der Babyboomergeneration auf sarkastische Weise abzutun, die sie als besserwisserisch, selbstgerecht und herablassend" empfänden. Seit Mitte 2019 verbreitete sich der zehn Jahre zuvor erstmals verwendete Ausdruck demnach sprunghaft in sozialen Medien und inzwischen auch in der gesprochenen Sprache junger Menschen.

Außerdem würdigte die Jury das Wort "Deepfake", das aus den Wörtern Deep Learning und Fake zusammengesetzt ist. Es bezeichne auf neuronalen Netzwerken beruhende, oft manipulativ eingesetzte Technik zur Erzeugung oder Verfälschung statischer oder bewegter Bilder, die wie echte Fotos oder Videos wirken. In den Diskussionen über das Phänomen drücke sich "Sorge über eine zunehmende Realitätsverzerrung in medialen Repräsentationen" aus, teilte die Jury mit.

Die Initiative "Anglizismus des Jahres" würdigt seit 2010 den Beitrag des Englischen zur Entwicklung des deutschen Wortschatzes. Die jüngsten Gewinner waren "Gendersternchen" (2018), "Influencer" (2017), "Fake News" (2016) und "Refugees Welcome" (2015). Die Jury der Initiative besteht zu einem großen Teil aus Sprachwissenschaftlern und Anglisten.


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