23.01.2020, 14:50 Uhr

Luanda (AFP) Tochter des angolanischen Ex-Präsidenten wegen Betrugs angeklagt

Isabel dos Santos. Quelle: AFP/Archiv/MIGUEL RIOPA (Foto: AFP/Archiv/MIGUEL RIOPA)Isabel dos Santos. Quelle: AFP/Archiv/MIGUEL RIOPA (Foto: AFP/Archiv/MIGUEL RIOPA)

Im Zuge von "Luanda Leaks" verdächtigter Bankier tot in Lissabon aufgefunden

Nach den Enthüllungen über dubiose Milliardengeschäfte hat die Justiz in Angola Anklage gegen die reichste Frau Afrikas, Isabel dos Santos, erhoben. Der Tochter des ehemaligen angolanischen Präsidenten José Eduardo dos Santos werden Betrug und Geldwäsche vorgeworfen, wie der angolanische Generalstaatsanwalt, Helder Pitta Gros, am Mittwochabend mitteilte. In Lissabon wurde derweil ein Bankier tot aufgefunden, den die angolanischen Ermittler ebenfalls im Visier hatten.

Dos Santos werden nach Angaben von Pitta Gros unter anderem Missmanagement, unerlaubte Einflussnahme und Urkundenfälschung während ihrer Zeit an der Spitze des staatlichen Ölkonzerns Sonangol vorgeworfen.

Die Geschäftsfrau lebt seit dem Rücktritt ihres Vaters im August 2017 in London und Dubai. Die angolanische Justiz will nach eigenen Angaben "alle zur Verfügung stehenden Mittel" einsetzen, um die 46-Jährige in ihr Heimatland zurückzubringen und dort vor Gericht zu stellen.

José Eduardo dos Santos hatte das zentralafrikanische Angola, das zu den ärmsten und korruptesten Ländern der Welt gehört, von 1979 bis 2017 autokratisch regiert. Am Sonntag veröffentlichte Recherchen des Internationalen Konsortiums Investigativer Journalisten (ICIJ), zu dem auch "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR gehören, legen den Verdacht nahe, dass Isabel dos Santos erhebliche Vorteile aus dem korrupten System in Angola zog.

Demnach hat die 46-Jährige "systematisch" von Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme in Angola profitiert, um ihr Milliardenvermögen anzuhäufen. Dos Santos, ihr Ehemann Sindika Dokolo und weitere Vertraute gründeten den Dokumenten zufolge in den vergangenen Jahren mehr als 400 Firmen, fast hundert davon in Steueroasen wie Malta, Mauritius und Hongkong. Immer wieder hätten diese Firmen von öffentlichen Aufträgen in Angola, von Beratertätigkeiten und von Darlehen profitiert, hieß es.

Die portugiesische Eurobic-Bank teilte derweil mit, dass Isabel Dos Santos ihre Anteile an der Bank verkaufen wolle. Laut portugiesischen Medien überwies die Geschäftsfrau über das Geldhaus, dessen Hauptaktionärin sie ist, Gelder mit zweifelhafter Herkunft nach Portugal.

Der am Mittwochabend tot in Lissabon aufgefundene Bankier war für Eurobic tätig gewesen. Nach Angaben der Polizei nahm er sich vermutlich das Leben. Der 45-Jährige sei erhängt in seiner Garage aufgefunden worden. Sein Name sei in den Recherchen zu den "Luanda Leaks" aufgetaucht.


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